Hundegeschichten aus Katalonien

 

Verdi, zwischen Drahtschlinge und einer liebevollen Hand

Er saß da und zitterte. Er saß in der Auffangstation des Tierheim Manresa und wusste nicht wie ihm geschah. Und er war so dünn, sein schwarzes Fell stumpf, sein Körper eingefallen und vor allem hingen seine Ohren so tief, das sie einem Basset hätten Konkurrenz machen können. Das eindringlichste aber waren sein brauen Augen, die mich so voller Qual und Verzweiflung ansahen, das es mir durch und durch ging. Ich öffnete die Zwingertür und er wich zurück, soweit es ging, panisch zitternd.

Diese lange Zunge gehört Verdi, beim Fototermin im Tierheim Manresa.

Wer war er, was war ihm widerfahren? Ich hockte mich auf den Zwingerboden und begann sanft auf ihn einzureden. Das blieb nicht ohne Wirkung, doch ich musste einige Minuten warten, bis er zarkhaft einen Schritt und dann noch einen auf mich zu machten. Schließlich hatte er mich erreicht. Was nun? Schüchtern und angstvoll streckte er seinen schmalen schönen Kopf vor und drückte ihn sanft aber bestimmt unter meinen Arm. Sein elend dünner schwarzer Hundekörper folgte und ich fühlte, wie er zittere. Aber er hatte es geschafft, erleichtert seufzte er und ließ sich liebkosen. Glücklich über sich selbst und den wunderbaren Umständen entspannte er und seufzte mehrere Male.

Die Hundefänger hatten ihn gebracht, an einer Drahtschnur eingefangen, streunend in Manresa aufgegriffen. Und ich hielt ihn im Arm und wurde erfüllt von seiner Tapferkeit und von seinem elenden Schicksal. Er war so hübsch und so verzweifelt, ich wurde verzweifelt wegen ihm. DAS hatte er wirklich nicht verdient, aber er erlitt ein Schicksal, wie so viele andere. Ein elendes Leben, dann ausgesetzt, Hunger, Einsamkeit, Demütigungen ... und nun war er hier, doch das war gut.

 

Er litt im Tierheim, fraß sein Trockenfutter kaum, war so sensibel, verspielt und ausgehungert nach Liebe. Ich ging mit ihm spazieren und ließ ihn in den Auslauf wann immer ich im Tierheim war, wo er wild und glücklich tobte, sich streckte, lief und rannte. Man nannte ihn Verdi, doch zusehends verlor sein ohnehin dünner Körper an Gewicht. Ich sorgte mich um ihn, ihm den Einsamen, der doch so tapfer seinen Kopf unter meine Hand gelegt hatte, was ich ihm nie vergessen werde.

 

Eines Tages hieß es, es gäbe eine Interessentin in Deutschland und ich hörte auf. Ja? War das wirklich so? Ja, war es, denn wieder einige Zeit darauf hieß es, Verdi würde nach Deutschland fliegen. Der Tierpfleger Marc war glücklich, wenn gleich er auch ein leicht trauriges Gesicht machte: Verdi war ihm sehr ans Herz gewachsen. Mir ging es ähnlich, wenn gleich ich doch mich so sehr für ihn freute. Verdi litt im Tierheim und nun hatte er endlich endlich die große Chance auf Liebe und ein Hundeleben. Und wie er sie genutzt hat ...

Wieder einige Zeit später fand ich auf der Homepage de Tierheim Manresa einen Eintrag von Verdi und natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, auf diesen Eintrag eine email zu schreiben ... Und wie schön, dass ich es tat. Wie sehr sich doch das Leben wandeln kann, wenn man ein wirkliches Zuhause und die wirkliche Hundeliebe findet. Verdi, du hast es dir verdient, denn immerhin hast du deinen schönen Kopf unter meinen Arm gesteckt.

 

Ina Erwien, 2004

Verdi gelangte im Sommer 2002 ins Tierheim Manresa und wurde am 27.12.2002 von Krista adoptiert, Hundeliebe auf den ersten Blick - auf beiden Seiten.

Unter Erfahrungen  - Mein schwarzer Schatz - finden Sie, wie es weiter mit Verdi gegangen ist ...