1. Woche: Hola, was ist das denn - ich mache ganz langsam meine Augen auf und sehe zum ersten Mal meine Mama. Ist das schön auf dieser Welt zu sein!!! 

2. Monat:  Heute wurde ich von meiner Mama getrennt.  Sie war sehr unruhig und mit ihren Augen sagte sie mir "Adios" in der Hoffnung, dass meine neue "Menschenfamilie" sich genauso gut um mich kümmert, wie sie es immer getan hatte.

 

3. Monat: Ich bin schon ganz schön groß geworden und alles ist unheimlich aufregend. In meiner Familie gibt es viele Kinder und die sind für mich wie meine Geschwister. Wir toben herum und manchmal ziehen sie mich am Schwanz - na ja, dafür zwicke ich die dann auch zurück. Ganz vorsichtig, natürlich..

4. Monat: Heute hat meine Menschenmama mit mir geschimpft - und das nur, weil ich Pipi ins Haus gemacht habe! Aber mir hat ja auch nie einer gezeigt, wo ich denn Pipi hinmachen darf und außerdem geht ja auch nie jemand mit mir raus. Ich habe einfach nicht einhalten können.

6. Monat: Ich bin glücklich. Ich fühle mich sicher und geborgen, denn meine Familie hat mich lieb und ich darf tun und lassen, was ich will. Wenn meine Menschen essen, bekomme ich immer etwas ab. Die Terrasse habe ich ganz für mich alleine und scheinbar mache ich auch sonst alles richtig, denn keiner sagt mir, was ich tun oder lassen soll. Also, wird schon alles gut sein, so wie es ist.

12. Monat: Heute bin ich ein Jahr alt geworden. Endlich erwachsen. Meine Leute sagen, ich wäre viel größer als sie damals gedacht hatten. Sie müssen wahnsinnig stolz auf mich sein!!!


13. Monat: Ich glaube, heute habe ich etwas falsch gemacht. Mein Menschenbruder hat mir meinen Ball abgenommen! Ich nehme meinen Menschen nie was weg!!! Also hab’ ich mich gewehrt, wollte meinen Ball zurück und habe dabei meinen Bruder aus versehen gebissen. Er hat geweint und ich war ganz traurig. Und dann wurde ich plötzlich an eine Kette gebunden, so kurz, dass ich mich kaum noch bewegen konnte und alle haben mich nur noch böse angeschaut und keiner streichelt mich mehr. Ich weiß nicht, was plötzlich los ist.


15. Monat: Irgendwie ist jetzt alles anders. Ich bin immer noch an dieser verdammten Kette, ich fühle mich alleine, meine Familie mag mich nicht mehr und manchmal vergessen sie mich sogar ganz. Ich habe Hunger und Durst und wenn es regnet habe ich noch nicht einmal einen Platz, wo ich mich schützen kann.

16. Monat: Endlich, meine Familie kommt. Sicherlich haben sie mir nun verziehen!!! Sie lassen mich von der Kette los und ich freue mich wie blöd und springe um sie herum. Und nicht nur das. Sie nehmen mich sogar mit zum Spazierengehen. Jetzt wird alles wieder gut!!! 

Ich springe voller Freude mit ins Auto und freue mich auf den Ausflug. Ich bin auch der erste, der voller Freude wieder aus dem Auto springt. Aber außer mir steigt keiner aus!? Warum fahren die denn einfach weg?? 

"Halt! Wartet!" Ich laufe hinter dem Auto her, bis meine Kräfte mich verlassen. Dann erst wird mir endlich klar, sie haben mich verlassen!!!

17. Monat: Seit einem Monat versuche ich nun, meine Leute wieder zu finden. Auf meinem Weg gibt es einige Menschen mit Herz, die Mitleid mit mir haben und mir etwas zu fressen geben. Ich danke ihnen mit einem traurigen Blick. Manchmal hoffe ich, dass mich einer von denen adoptiert, doch sie sagen nur "der arme Hund hat sich sicher verlaufen" und schicken mich wieder weiter.

 

18. Monat: Kürzlich bin ich an einer Schule vorbeigekommen. Da waren viele Kinder ... vielleicht waren da ja auch meine "Menschenbrüder". Suchend lief ich durch die Gruppen, bis plötzlich einige mit Steinen nach mir warfen. Ein Stein traf mein Auge. Seitdem kann ich kaum noch etwas sehen.

19. Monat: Es ist kaum zu glauben. Früher hatten die Menschen wenigstens noch Mitleid mit mir. Jetzt bin ich halbblind, abgemagert und mein Fell ist stumpf. Ich werde nur noch überall davongejagt. Keiner hat mehr ein nettes Wort für mich übrig.

 

20. Monat: Ich kann mich kaum noch bewegen. Ich schaffe es nicht mehr, die Straße zu überqueren. Also lege ich mich an den Straßenrand, mit sicherem Abstand von den vorbeirasenden Autos. Ich dachte jedenfalls, ich wäre sicher,.dennoch werde ich nie den Blick des Fahrers vergessen der lachend, gezielt auf mich losschoss. Ich wünschte, er hätte mich getötet, aber er erwischte nur meine Hüfte. Die Schmerzen sind unerträglich!!


21. Monat: Seit 10 Tagen liege ich nun hier am Straßenrand. Einige Leute kommen vorbei und wenden sich angeekelt ab, aber mir ist schon alles egal. Ich spüre kaum noch etwas. Dennoch öffne ich noch einmal die Augen, als ich eine streichelnde Hand spüre und eine Stimme, die beruhigend auf mich einredet. Ein Mann im Kittel steht auch bei mir und ich höre noch wie er zu dem streichelnden Mensch sagt "Tut mir leid, aber es ist besser, wir erlösen ihn". 

Mit letzter Kraft wedele ich noch einmal mit meinem Schwanz, dann schlief ich für immer ein - mit dem Gedanken: 

"Warum war ich eigentlich geboren, wenn mich niemand wirklich wollte und lieb hatte?"

 


Mit freundlicher Genehmigung von 

AJUCAN

ajuda als cans abandonats (Hilfe für herrenlose Hunde)

Mallorca Hundehilfe e.V.

 

Ansprechpartnerin: Karin Mück, nördlicher Bereich

Telefon: 04733 / 219

info@mallorca-hundehilfe.de

 

Ansprechpartnerin: Nadin Uhlig, Raum NRW

Telefon: 02304 / 77 76 08

kontakt@mallorca-hundehilfe.de

 

Ansprechpartnerin für die Hunde im Tierheim:

Ursula Mesquida 

Telefon: (0034) 971 / 838 274

 

Homepage:

 

Fotos von Ina Erwien und mit Pedro, dem Fotomodel