Hundegeschichte aus Manresa

Das bittere Ende von Thor und Kira, zwei Rottweiler aus Manresa

Angeschafft und dann Last, zwei Rottweiler ohne Zukunft.

Thor und Kira

Für Kira und Thor und mit der Frage, was haben sie verbrochen?

Thor und Kira mussten weg.

Ihr Besitzer hatte sie einst angeschafft, warum eigentlich? Nun, aber nun waren sie eben da. Kira war bei ihm in seinem Haus in San Fruitos aufgewachsen, aber mit den den neuen Gesetzen in Katalonien hatte ihr Herr Probleme mit ihr bekommen - nicht wirklich mit ihr, nein, eben darum, weil sie ein Rottweiler war. Kira war durch und durch lieb, aber entstammte eben der falschen Rasse. Es war umständlich, teuer und unanangenehm diese Art von Hunde zu halten ...

Trotzdem war Kira geimpft und auch mit den für sie vorgesehenen Steuern versehen, aber sie musste weg ... deshalb wurde sie auf ein müllhaldenähnliches Grundstück abgeschoben, begleitetet von Thor, dem riesigen Rottweilerrüden, der ebenfalls unbedacht angeschafft wurde und neben ihr lebte.

Das müllhaldenähnliche Grundstück beherberte mehr Müll, als man es sich vorstellen konnte, noch unvorstellbarer war der provisorisch gebaute Zwinger, in dem die beiden Gunde gehalten wurden.

Der schmutzige Ort  - und Kiras und Thors Wassernapf (heimlich aufgenommen).

Der Zwinger von Innen und der "Zwinger" von aussen.

Nun, hier mussten die beiden Hunde von nun an leben - und waren ihrem Besitzer schnell eine Last. Erstens stellte er schnell fest, dass es lästig war, jeden Tag dorthinzufahren, lag dieser Ort doch ausserhalb und bedeutete es für ihn eine halbe Stunde Autofahrt diesen zu erreichen. So kam er nicht jeden Tag. Der Ort war umgeben und beherrscht von Schmutz und Dreck, Gestank und Widerlichkeit, so sah auch der provisorische Zwinger aus, in dem die beiden Rottweiler ab nun leben mussten.

Wenn ihr Herr kam, liess er sie dann und wann frei, meist aber verbrachten sie ihre Tage wartend und dösend in ihrem eigenen Dreck.

Er selber sah irgendwann ein, dass das Halten von zwei Rottweiler weder ihn noch seine beiden eindrucksvollen Hunde befriedigte noch glücklich machte. (Es brachte ja zudem auch Kosten und Umständlickkeiten mit sich).

Erstaunlicher Weise sah dass die Stadt Manresa zur selben Zeit aber auch so, welch ein Zufall. Die Rottweiler mussten also einerseits weg, weil die Stadt die Räumung des schmutzigen Ortes anordnete und zeitgleich, weil ihr Besitzer ebenfalls erkannte, dass seine Hunde so nicht in völliger Zufriedenheit leben konnten - was sie sicherlich auch nicht taten ...

Er fragte also eine nahe Hundeschützerin, ob sie die Rottis nicht übernehmen wolle, weshalb weitere Hundeschützer auf diese aufmerksam wurden. Man kann aber nicht so ohneweiteres Rottweiler übernehmen. Man findet für sie entweder niemals ein wirkliches Zuhause und die armen Tiere bleiben dann immer in der jeweiligen Pflegestelle (was für sie bestimmt DAS Hundeglück bedeuten würde), aber das hiesse auch die teueren Versicherungen zu übernehmen und diese persönlich zu adoptieren. Wer aber nur helfen will und noch eltliche andere Hunde betreut, ist damit überfordert.

Es wurde von dieser Tierschützerin ein Hilferuf gestartet (sie betreut selber fast 20 ausgesetzte Hunde auf ihrem Grund). Ein Fototermin wurde veranschlagt, ein Platz für die beiden Hunde im Tierheim Òdena bereitgemacht... Wunschträume sollten es bleiben.

Beim Fototermin zeigte sich besonders Kira wie ein verspielter liebevoller Welpe, einfach durch und durch gutmütig und zärtlich, wie es eben ihr Charakter war. War. Auch Thor bestoch durch sein Ballspiel ...

Ihr "liebevoller" Herr, der seine beiden Hunde so einfach als Last abgeschoben hatte, überlegte sie lieber einzuschläfern, als sie nach Ódena zu geben - und zusammen sollten sie bleiben, sonst wäre der Tod gnädiger. Nun, im Nachhinein kommt einem das fast verdächtig vor ...

 

Nun, Kira und Thor sind tot!

Die Aufäumarbeiten hatten begonnen und weite Teile der Müllhalde wurden abgebrannt. Wer will aber Feuer schon unter Kontrolle halten?

In der Nacht entflammte sich das Feuer unkontrolliert erneut und ergriff den schmutzigen traurigen Zwinger voller Müll. Alleine sind sie in ihm verbrannt, mit all ihrer Pein, ihren Ängsten, ihrer Verzweiflung, ihrem Schmerz. Sie konnten dem Feuer nicht entkommen, waren sie doch in ihrem Gefängnis eingesperrt. Ein grausamer Tod, ein schrecklicher Tod.

Ein Ende von zwei grossen, gesunden, starken Hunden, freundlich und lebensfroh, die nur der falschen Rasse angehörten und von dem falschen Menschen auf traurige Art und Weise gehalten wurden ...

 

Ina Erwien, im Februar 2005, Manresa

Für Kira und Thor und mit der Frage, was haben sie verbrochen?