Pedros Leben in Cardona

Pedro ist so anders, als alle anderen Hunde hier. Da sind sich die Menschen aus Cardona sehr einig.

Also erstens heißt man als Hund in Spanien nicht Pedro. Das führt zu ernstlichen Verwirrungen!! Diese kommen daher, dass eben viele Katalanen und Spanier so heißen - und wie ein Hund heißt man eben nicht! Das ist auch eigentlich einzusehen, denn wenn man mit einem Pedro vor einer Kneipe oder einer Gaststätte sitzt, diesen mit seinem Namen ruft, drehen sich mindestens drei Männer verwirrt oder interessiert um. Schon oft passiert!

"Pedro! Vine aquí! Vina!", ruft man besser deshalb auch nicht, sonst stehen womöglich drei Pedros neben dem gerufenen Pedro am Tisch und fragen: "Que?"

Also kurz: Hunde heißen eben nicht Pedro in Katalonien, das ist den glorreichen Machos vorbehalten. Es gibt durchaus welche, die das sehr ärgerlich finden. Zu heißen wie ein Hund, ist gleich einem Schimpfwort. 

Auf die vielseitig aufgetreten Frage, warum denn mein Hund PEDRO heißt, weiß ich nun genau die zurechtgelegte Antwort: also am 29. Juni kam mein Pedro zu mir und deshalb hat er den Santo Pedro, ist doch wohl klar, oder? Nun, das wird dann mehr oder weniger eingesehen. Allerdings habe ich mir angewöhnt Pedro nicht bei seinem Namen zu rufen, wenn sich ein ernsthaft erwiesener Pedro an meiner Seite befindet. Der Besitzer der Bar "Eclipse" von Cardona, Pedro eben, hat seinen Sohn ebenfalls mit dem Namen Pedro bedacht. Pedrito scheidet deshalb dort auch aus. Pedros Kosenamen in Katalan ist Pedrin, wie er hier stadtvertraut von Eingeweihten deshalb gerufenen wird - und von mir Petri, ist einfach praktisch - lässt die langwierigen Erklärungen des "Warum!" wegfallen. 

Anzumerken ist hierbei allerdings, dass der Eclipse-Pedro für meinen Pedro stets ein Stück Schinken bereithält - Namensvetterfreundschaften!

 

Also Pedro ist bei seinem allzu exzentrischen Namen dennoch anders für die Menschen von Cardona - selbst wenn sie seinen Namen nicht kennen! Gemeinsam mit Herro wartet er ohne Leine vor den hiesigen Geschäften auf mich, läuft ohne Leine durch die "Alt-Innenstadt" von Cardona und folgt ruhig und gelassen aufs Wort. Das klassische Einkaufsverhalten von älteren Damen zeigt sich dementsprechend gespalten. Fast täglich kommt es vor, dass im selben Moment eine alte Dame ihre Meinung äußert: "Que macos son!" und eine andere ihren Schreck mit: "Que susto han dado a mi!".

 Die jeweiligen alten Damen stehen mir dann mit angespannten Gesichtern gegenüber, warten auf eine Antwort - in Cardona ist man ja sehr höflich - und ich weiß dann nie, ob ich zuerst der einen zunicken (was ich ja dann doch aus Sympathie tue)  und der andern erklären soll, dass meine beiden Hunde ja eigentlich sehr harmlos sind

Also übersezt: Wie schön/gehorsam sie sind! Wie sie mich erschreckt haben

Dann und wann fühle ich mich völlig überfordert,.

 

Pedro weckt auch den Stolz in den Herzen der alteingesessen Jägern - gibt es leider zuviele hier. Sie halten ihre armen Hunde in Ställen, zehn - zwanzig oder mehr. Ohne Pflege, oftmals ohne Futter und Wasser, ohne medizienische Versorgung, von Liebe oder Zärtlichkeiten ganz zu schweigen.. Kurz: diese Hunde leben so schrecklich, dass man es sich besser nicht auszumalt. Wenn ich es dann doch sehe, ist es so unglaublich und bittertraurig, dass mich diese armseligen Geschöpfe bis in meine Träume begleiten. 

Ihre kaltblütigen und machogetreuen Besitzer auch. Diese fühlen sich nämlich durch eine blonde (oftmals viel größere junge Frau als sie) bedroht. (Zudem sie sowohl an den Hunden als auch an der Frau Gefallen finden.)  Zwei große, selbstbewusste, gehorsame, glänzende, gepflegte und irgendwie andere Hunde wecken etwas in ihnen, dass nichts Gutes heraus lässt.  Sie verstehen schon garnicht, dass die "Rubia" stets von ihren Hunden begleitet wird. Hochnäsisch sagen sie: mit denen passiert die bestimmt nichts, und schnippen mit den Fingen. Wenn meine Hunde dann so überhaupt nicht reagieren (und ich auch nicht), sind sie zudem sehr verduzt. Sie pfeifen durch die Zähne, sie rücken mit den Stühlen, sie gröhlen Worte heraus, Pedro sieht sie nichteinmal gelangweilt an. Wie das das Jägerherz wurmt!

Das "Jagen" findet zudem eher in den Kneipen statt. Dementsprechend haben Hunde hier auch nichts zusuchen. Die gehören an die Kette oder in ihre jämmerlichen Ställe. In der Jagdzeit werden sie "be"genutzt - und es schallen Schwälle von wirren Jagdmärchen herüber, wie ein einzelner Jagdhund ein Wildschein gestellt und erlegt hat. Ha! Die traurige Tatsache ist, dass in der Jagdsaison etliche Jagdhunde von Wildscheinen aufgerissen und zerbissen werden. Das Hunde anders leben, ist den "Machitos" ein Dorn im Auge. Pedro ist das lebendige glückliche Gegenteil von allem, was einen Hund ausmachen soll. Er ist Gesprächsthema von vielen Sitzungen in den hiesigen Bars. 

Pedro überzeugt sie alle, und wurmt sie ebensosehr. "Der ist aber gut für die Wildscheinjagd!", heißt es dann und wann. 

"Ach ja? Wie interessant!"

 

Pedro ist Kneipen-,  Wiesen-, und Wald-, und Sofagänger. Er kauft auch gerne ein, in der "Carniceria" von Maria liegt stets ein Stückchen Rindfleisch für ihn bereit, für Herro auch, in der Bar Eclipse gibt's Jamon und in der Fira Bar dann und wann Bottifarra. Tolle Sachen für liebe Pedros. Es gibt Katzen überall,  rassereine und rassenichtreine Hunde (wen interessierts) zum beschnüffeln und viele Sachen mehr Das Jägerlatein und alte Damen interessiert Pedro weniger, seinen Namen kennt er gut. Wenn er denn dann auch mal Pedrin oder Petri heißen muss ... was soll's.

Pedro lebt derweilen lieber ruhig und sorgenfrei neben mir und da wo ich bin, ist auch er.

 

Ina Erwien, 2003