Erfahrungsberichte von Hundefreunden

Oso

Nachdem unser Hund George (5) krank wurde und gestorben ist, war es für uns klar: wir wollen einen neuen Hund! Wir haben George sehr geliebt, obwohl er uns oft Kummer durch Krankheit und sein schlechtes Sozialverhalten gemacht hat. Wir wollten nun möglichst einen Hund, der einfach im Umgang und einfach vom Wesen ist. Und möglichst noch kerngesund, das war unsere Vorstellung! Wir haben dann in Tierheimen gesucht (schon ein Zeichen dafür, dass es wahrscheinlich doch nicht so einfach werden würde!) und schließlich sind wir im Internet auf das Tierheim Manresa gestoßen. Dort haben wir uns einige Hunde ausgesucht, die wir toll fanden, ohne zu wissen, wie eine Vermittlung verlaufen würde. Jedenfalls wurden alle Weichen durch die Delegierten gestellt und es war klar, dass auch dieses Mal wieder ein Sorgenkind zu uns kommen würde. 

An dieser Stelle einen großen Dank an Herrn Kippes, der uns mit viel Geduld und Sachverstand auf alles Positive und Negative vorbereitet hat. 

Natürlich auch Dank und vor allem Lob an alle, die an der Vermittlung beteiligt waren.  Alles lief vorbildlich und wir hatten das Gefühl, in guten Händen zu sein. Besonders möchte ich auch Ina Erwien für ihre persönliche Beschreibung von Oso danken. Das hat uns Mut gemacht und unsere Entscheidung für Oso erleichtert. 

Oso wurde uns als sehr schüchterner Hund beschrieben, der vor allem Neuen große Angst hat und schon viel schlechtes in seinem kurzen Leben erfahren hat. Uns war klar, ihm wollten wir zeigen, wie schön das Leben sein kann. 

Und dann war es am 18. August dieses Jahres soweit. Wir standen am Flughafen und warteten auf unseren Spanier. Wir hatten das Herz in der Hose, genauso wie Oso.
Als er aus seiner Kiste kam, in geduckter Haltung, mit gekrümmtem Rücken, angelegten Ohren, eingekniffenem Schwanz und völlig verstörtem Blick hatten wir uns schon bis über beide Ohren verliebt. Wir waren uns im klaren darüber, dass die folgende Zeit nicht leicht sein wird. Eins war jedoch auch klar, der urinverschmierte, stinkende Puma musste erst in die Badewanne, obwohl wir ihm eigentlich Ruhe gönnen wollten. 

Die ersten Tage vergingen (zum Glück hatten wir Urlaub) und es zeigte sich, welche Ängste Oso  plagen.  Er kam schlecht zur Ruhe, lief viel auf und ab, sprang immer auf, wenn er irgend etwas hörte oder sah. Alles machte ihm Angst. Seine Augen fielen oft zu, aber er traute sich nicht zu schlafen. Wir waren uns einig, er mußte sich direkt daran gewöhnen, dass wir hin und her gehen, Radio anmachen, sprechen, telefonieren, Fernsehen gucken, es klingelt, dass Schränke und Schubladen auf und zu gemacht werden und Kleidungsstücke angezogen werden. Wenn wir ihn nicht sofort an das tägliche normale Leben gewöhnen würden, hätte er keine Chance. Natürlich machten wir uns, wie auch schon vor seiner Ankunft Gedanken: wird der ‚Funke‘ überspringen?, wird er stubenrein?, kann er sich an unser Leben gewöhnen?, wird er uns alles kaputt machen?, was ist mit unseren Vögeln, Kaninchen, Pferden?, kann er jemals allein bleiben?, wird sich seine Angst vor Autos legen?, wird er über Tische und Bänke gehen?,  und vor allem: wird er je seine Ängste loswerden?

Wir sind viel mit ihm spazieren gegangen, was er sehr gerne macht und was ihn auflockert. 
Er kam nur nicht gerne wieder ins Haus und sah’s dann im Gras und es brauchte viel Geduld ihn wieder rein zu bringen. Er ließ sich weder locken noch ziehen. Warten war angesagt und tragen. Leckerchen kannte und wollte er nicht - also keine Bestechung! Wir haben damit gerechnet, dass er ganz verrückt aufs Fressen ist. Er frisst auch, aber er würde wohl lieber Pizza, Pommes oder Nudeln fressen. Streicheln ließ er sich gerne aber er nahm nie etwas aus der Hand. Außerdem trank er viel zu wenig. Spielen wollte er nicht - er hatte Angst vor Bällen, Stöckchen, Kauknochen usw.

Außerdem hatte er Probleme mit seinen Geschäften, er hielt viel zu lange ein, wahrscheinlich, weil er immer in seinen Zwinger machen musste und das als sehr unangenehm empfand. Stubenrein war er eigentlich sofort. Er hat nur einmal in die Wohnung gemacht. Der angekündigte Durchfall war nicht so schlimm und vor allem ging der nicht in die Wohnung. 

Es hat Tage gedauert, bis er endlich einen Laut von sich gegeben hat und es hat auch Tage gegeben, an denen wir verzweifelt waren. Aber als er dann das erste Mal mit seinem Stummelschwanz gewedelt hat, die erste Klorolle aus dem Bad geklaut und vor Freude gebellt und gejault hat und rumsprang, waren wir uns einig, wir schaffen es. Er hat sich sehr schnell an uns gewöhnt, auch die Tagesbetreuung bei der Schwester klappt prima. Er freut sich, dort hinzukommen und hat schnell verstanden, dass er immer wieder von uns abgeholt wird. 
Die Leute, die im Laden ein und aus gehen, tun ihm gut. Er kann sich, wenn er möchte, im Nebenraum zurückziehen. So merkt er aber, dass Menschen nicht schlimm sind. 

Das Autofahren haben wir auch direkt geübt. Zu Anfang haben wir nach jedem Spaziergang die Autotüren ganz wichtig auf und zugemacht, sind ein- und ausgestiegen haben tolle Dinge im Auto gefunden. Zum Fahren mussten wir ihn erst ins Auto heben, nach ein paar Tagen ist er dann schon allein ins Auto gesprungen. 

Er kann auch mal 2-3 Stunden allein sein, ohne Unsinn zu machen, wir lassen dann Radio und Licht an. 

Jetzt, nach ca. 7 Wochen können wir nur sagen, dass unsere Ängste unbegründet waren. Er ist ein toller Hund. Die anfängliche Mühe hat sich gelohnt. Er ist völlig verspielt, fröhlich, schmusig, brav und er vertraut und liebt uns. Alles ist viel einfacher verlaufen, als wir dachten. 
Sicher haben der eine oder andere Schuh, sein Lager und diverse Kartons, Bücher, Zeitungen, Stuhlbeine usw. daran glauben müssen, die er nachts bearbeitet, wenn wir schlafen.
Aber wir freuen uns irgendwie darüber, ist das doch  ein Zeichen, dass er locker wird bzw. ist. Äußerlich hat er sich auch verändert. Seine Augen glänzen, die Ohren gespitzt und der Rücken gerade. Zugenommen hat er auch. Er wird wohl mal ein ziemlicher Brocken. Der kupierte Schwanz macht uns nichts. So kann er wenigstens nichts vom Tisch wedeln ist unsere Antwort auf die vielen Fragen, wo den der Schwanz ist.

Mittlerweile ist er schon richtig wild, quietschende Gummitiere werden sofort zum Schweigen gebracht, Stöckchen werfen ist klasse und wildes Spielen mit uns und anderen Hunden ist prima. Seine ungehaltene Freude, wenn wir morgens aufwachen und aufstehen, ist einfach toll. Jeden Morgen die gleiche Freude. Er schläft bei uns im Schlafzimmer, natürlich auf der Erde auf seinem Lager. 

Unsere anderen Tiere lässt er in Ruhe, nur wenn die Hofkatzen weglaufen, rennt er hinterher.
Was ihm immer noch Angst macht, sind fremde Menschen, es gibt aber auch Auserwählte, 
die ihn streicheln dürfen. Wir versuchen, ihn viel mit anderen Hunden zusammen zu lassen, 
er versteht sich mit allen. Es tut ihm gut, denn die Menschen der anderen Hunde sind auch nicht so furchterregend. 

Wir denken, das sich auch diese Angst mit der Zeit legen wird und wir werden ihm auch dabei helfen. Hiermit möchten wir auch anderen Menschen Mut machen, einen Hund aus Spanien aufzunehmen - denn es gibt sie doch, die Liebe aus dem Internet!

Simona Koch und Stephan Hons