Hundegeschichten und Hundeschicksale

Eine magische Nacht

Es war Vollmond und die Nacht rief mich mit ihrer wunderbaren Schönheit. Es war eine warmlaue Septembernacht in Katalonien und ich spürte eine eigenartige Kraft von ihr ausgehen. Wie immer in jenen bestimmten Nächten hatte ich mit meinen beiden Hunden, Herro und Pedro einen bestimmten wunderbaren Ort aufgesucht. Er lag mitten im Wald auf einem kleinen Berg und beherbergte ein altes Haus, zur Ruine verfallen, dem eine kleine Kirche angelagert war. Von hier hat man eine wunderbare Aussicht auf das weite Wäldermeer und die dunklen Bergrücken in scheinbar ewiger Weite.

Hier hatte ich mich mit Herro und Pedro auf den noch tagwarmen nach Kräutern duftenden Boden gesetzt und schaute tief in mich versunken dem wunderbaren Schauspiel zu.  Zuerst fast blutrot stieg die wunderbare La Luna voll und rund aus dem Dunst der Nacht auf, stieg höher, wandelte sich und wurde immer heller und silbrig schimmernd.

Ganz tief in mich versunken, von meinen Hunden beschützt und behütet, saß ich da, leicht und schwer zugleich, so, als hätte mich mein Körpergewicht verlassen, so als schwebte ich mit und über allem.

Wie viel Zeit vergangen war, als meine Hunde plötzlich unruhig wurden, weiß ich nicht. Ich lauschte und wirklich, mit der Zeit hörte ich ein merkwürdig helles Geräusch, nein es waren verschiedene Tonlagen, die sich zu einem hellen Ton vermischten. Meine Hunde sprangen auf und winselten. Die merkwürdigen Töne wurden immer lauter, klangen immer näher und dann begriff, ich dass es Stimmen von hetzenden und der Jagd frönenden Hunden waren. Ich starrte in die Nacht, beunruhigt und überlegte ob ich meine Hunde anleinen sollte, griff hastig zu den Leinen, als sie schon da waren. 

Irritiert hielt ich inne. Zwei große weiße schlanke Podencohunde standen plötzlich vor mir, so weiß und schimmernd wie der Mond. Kurze Zeit später folgte ein dritter Hund, ebenfalls weiß, fast noch ein Welpe. Völlig überrascht standen wir alle voreinander, da stürmten meine Hunde auch schon auf die weißen Fremden zu. Weiß und Schwarz vermischte sich, beschnupperte sich, doch alles blieb friedlich. Es kam kein Streit auf, ja vielmehr Neugierde. Vielleicht waren es zwei Hündinnen mit ihrem Welpen, ich weiß es nicht, aber es war so, als wären wir alle verabredet. 

Die fremden weißen Hunde verschnauften, setzten sich für kurze Zeit zu meinen Hunden und mir, denn von der wunderschönen Situation völlig überwältigt, hatte ich mich selber wieder gesetzt und meine Hunde folgten mir, als sich die erste Aufregung gelegt hatte. Ich beobachtete die schlanken weißen Hunde. Sie kamen nicht zu mir, zeigten aber auch keine Angst vor mir. Schon nach kurzer Zeit wurden sie wieder unruhig und nur wenig später sprangen sie auf und eilten, von der magischen Nacht verschluckt, von dannen. Schon bald hörten wir wieder die hellen jagenden Töne, bis auch diese nicht mehr zu hören waren. Es war so, als wären sie nie da gewesen.

Woher sie gekommen sind, wohin sie gegangen sind? Ich weiß es nicht. Ich habe nie danach geforscht. Sie kamen, weil es so hat sein müssen, als Gruß dieser wunderbaren Nacht, eingetaucht in das silberne Licht der La Luna, so als hätte diese sie selbst geschickt, als Jägerin in den weißen Strahlen.

 

Ina Erwien, aus dem Jahre 2002

Casa Santa Cecilia/Cardona/Katalonien