Hundegeschichten aus Katalonien

Lolas Geheimnis

Es war ein Samstag im Jahre 2002, ein schöner sonniger Tag im Spätherbst in Cardona, als sie eines Tages da war. Sie saß in einem Baustellengebiet unterhalb einiger Reihenhäuser und schon auf den ersten Blick war klar - ausgesetzt! So einen Hund gab es rein optisch nicht in Cardona, groß, sehr dünn, kurzhaarig, von weitem ein Bardolinomix, denn ihr Fell war braun-schwarz-gestromt. Mit meinen Hunden trat ich von oberhalb näher an sie heran. Sofort flüchtete sie und begann böse zu knurren. Das ließ ich natürlich nicht auf mir sitzen und kam schon kurze Zeit wieder zu ihr zurück, um ihr Hundefutter und einwenig Hühnchenfleisch an die Stelle zu legen, wo sie sich aufhielt. Wieder wich sie ängstlich und bösartigknurrend zurück, fraß aber das Gebrachte heißhungrig auf, als ich auf Entfernung ging. 

Das wiederholten wir nun etliche Male am Tag. Jedes Mal redete ich zu ihr, sie knurrte aus Angst. Von meinem Balkon aus konnte ich sie beobachten - und das tat ich dann nun auch. So verging der Samstag und in der Nacht dachte ich ständig an sie. Mein erster Blick am Sonntag war der von meinem Balkon zu ihr. Ja, da saß sie an der gestrigen Stelle, ich sah sie als braunen Punkt in der von Baggern aufgerissenen Erde. Der Sonntag verging ähnlich wie der Samstag, und als es dämmerte, ging ich wieder mit Futter bewaffnet direkt zu ihrem Platz. Knurrend wich sie vor meinen Hunden und mir zurück, doch diesmal warf ich ihr mein Futter direkt zu - und sie schnappte es aus der Luft. Diesmal wich sie nicht ganz soweit zurück, wir kamen also voran. Ein paar Tage noch, dachte ich, und dann kann ich dich anfassen. Meine größte Sorge war jedoch, das morgen am Montag, die Arbeiter zu der Baustelle zurückkamen. Und dann? Dieser Gedanke ließ mich dann nicht mehr los und so brachte ich meine Hunde in die Wohnung und kehrte diesmal alleine aber natürlich mit leckerem Hühnchenfleisch zu ihr zurück. Ich wollte mich einfach einwenig in ihre Nähe setzten und ihr irgendetwas erzählen, eben damit sie sich an meine Stimme gewöhnen sollte. Ich klettere eher unbeholfen wegen der Dunkelheit auf dem Baustellengrundstück herum, erreichte ihre Stelle, sah sie zwar nicht, setzte mich aber bequem zurecht und packte mein Hühnchenfleisch aus. Dann begann ich mit der Dunkelheit zu reden, annehmend, dass sie sich eigentlich ganz in der Nähe aufhalten müsste. Nun, dem war auch so - und doch verlief mein Hunderettungsaktion anders als gedacht, denn ehe ich mich versah, hielt ich einen großen freudigen Hundekörper im Arm, der mir prompt durch das Gesicht leckte und mich damit völlig aus dem Konzept brachte. Aus der knurrenden braunen Bestier war ein kuscheliges Hündchen geworden, was mich seit ewig langer Zeit zu kennen schien. Sie wurde erst einmal mit dem Hühnchenfleisch für ihre Tapferkeit belohnt, dann von mir sanft durchgekrault, während ich ihr dabei vorsichtig ein mitgebrachtes Halsband umlegte und sie viel eher als erwartet an der Leine hielt. Sie fand das alles sehr in Ordnung und so begleitete sie mich schon bald Richtung Wohnung, wo ich sie meinen beiden Rüden vorstellte. Die Hunde akzeptierten sich untereinander und zur Belohnung fütterte ich alle Drei. Und in der Wohnung wurde mir dann auch plötzlich sehr deutlich bewusst, WAS für ein Hund das war, der mir scheinbar gerade sein Herz schenkte. Sie war eine große Dogo Agentionohündin, war mager wie ein Gerippe aber hatte den Kopf und das Gebiss eines riesigen Pitbulls. Ich war eigentlich sehr überrascht, denn auf die Entfernung war mir das völlig entgangen, und durch schlechte Erfahrung mit Pitbulls, mein lieber Herro war in Düsseldorf angefallen worden, waren mir diese Art von Hunde nicht recht geheuer. Aber diese Hündin zeigte mir deutlich, wie lieb sie war und ich schloss sie sofort ins Herz. Wir gingen zum ein gewöhnen noch eine kleine Runde spazieren, dann besuchte ich meinen Freund, der mit seinen Freunden in seinem Musikraum im Garten für seine damalige Band probte. Die Hündin war für alles aufgeschlossen, und als uns ein Mädchen entgegen kam, begrüßte sie diese ebenfalls freundlich, schien sie doch ungemein erleichtert zu sein, endlich die einsame Nacht gegen liebevolle Gesellschaft eingetauscht zu haben. Ich machte mir nun überhaupt keine weiteren Gedanken, denn ich fühlte einfach, das die Hündin mir völlig vertraute und mir alles recht machen wollte - Dogo Agentino hin oder her. Ich überlegte nun, welcher Name zu ihr passen könnte, als sich diese Frage jäh erübrigte.

Mit der abgeleinten Hündin, denn sie gehorchte mit überraschender Weise aufs Wort, betrat ich den Musikraum, stolz wollte ich meinem Freund zeigen, dass es mir gelungen war, sie zu ergreifen. Im selben Moment machte ein junger Mann mit einem riesigen Contrabass vor panischen Entsetzten einen Sprung hinter sein großes Musikinstrument. Er wurde ganz blass und schrie: "Lola! Das ist ja Lola!" Im war die pure Angst ins Gesicht geschrieben, und das obwohl er selber einen Hund hatte und ein Hundefreund war. Lola? Die Hündin sprang liebevoll an mir hoch und leckte mich zärtlich, alles rief durcheinander, mein Freund: "Du hast sie!!" Der junge Mann aber schrie: "Halt sie fest, so halt sie doch fest!"

Und dann erklärte er, dass das Lola sei, jene Dogo Agentinohündin, die einst seiner Cousine gehört hatte, und die diese an einen Bauern verschenkt hatte, gut 50 km von Cardona entfernt. Ja, ich erinnerte mich an eine junge Hündin dieser Rasse, denn ich kannte die Familie des jungen Mannes und es stimmte. Diese Hündin hier sah völlig gleich aus, nur eben nun ein Jahr älter. Ob das wirklich Lola war? Zu allem Überfluss hörte sie auf diesen Namen, und es kam eben, das sie nun alle Lola riefen. Erstaunlicher Weise lag das Baugrundstück genau unterhalb des Reihenhauses, in dem die Cousine des jungen Mannes lebte und wo eben die junge Lola aufgewachsen war. 

Mit meiner Freundin hatte ich bereits abgesprochen, das Lola, nun, irgendwie hieß sie ab nun so, über ein katalanisches Tierheim nach Deutschland vermittelt werden könnte, und ich wollte unter keinen Umständen, dass die Hündin wieder zu den Menschen zurückkam, denn gut hatte sie es dort nicht gehabt. Aber war das wirklich jene Lola? Und warum hatte der junge Mann solch eine Angst? Die Hündin benahm sich doch genauso wie meine Hunde, war lieb und freundlich. Es gab keinen Grund so zu reagieren - oder wusste er etwas von jener anderen Lola, was ihm solche Angst bereitete? Morgen, so beschloss ich, würde ich seine Cousine aufsuchen und ihr die Hündin vorstellen.

In der Nacht verhielt sich Lola sehr vorbildlich, wenn gleich sie bei den gemeinsamen Essen mit meinem Freund merkwürdig reagierte. Sie hatte eine ganz hundetuntypische Art mit fast menschlichen Blick einen anzustarren, das fast Nervosität aufkam, zuerst allerdings nur bei meinem Freund. Sie kam nicht direkt zum Tisch, sie setzte sich gut zwei Meter entfernt und blickte tief und fordern in die Augen. Von Stunde zu Stunde begann sie mehr Selbstbewusstsein an den Tag zu legen und schon bald ging eine spürbare Dominanz von ihr aus. Die Reaktion der Mitmenschen war auch beeindruckend und ich begann zu verstehen, warum sich schwache Menschen einen solchen Hundetyp anschafften. Damit meine ich nicht die Menschen, die diese Hunderasse als Freund und Partner wünschen - ich meine eben die, die sie als Waffe be- und ausnutzen.

Lola war wie eine Waffe, man fühlte sich sicher und unverwundlicht, ein eigenartiges Gefühl der Sicherheit ... und zugleich auch Unsicherheit, denn Lola wandelte sich mehr und mehr in ihrer Dominanz. Zuerst war es mein Gefühl, dann aber sollte aus dem Gefühl Gewissheit werden ...  Und Lola liebte und wollte mich - und hier begann dann das Problem: sie wollte mich ganz und gar, mit Haut und Haaren - und vor allem wollte sie mich nicht teilen. Es war als hätte sie endlich das gefunden, was sie immer gewollt hatte und war einzig allein darauf bedacht, es zu verteidigen. Mit Lola hätte ich zu jeder Tag- und Nachtzeit jeden Ort dieser Welt besuchen können, sie hätte bedingungslos alles getan, um mich zu verteidigen. Ihre Liebe zu mir wurde von Moment zu Moment größer, mich wollte sie und begann das langsam aber bestimmt zu zeigen. 

Sie drängte zuerst einwenig meine Hunde weg  - und knurrte sie schließlich sogar sie an. Meine Hunde, besonders mein junger Pedro, begannen sie langsam aber sicher zu fürchten, mein alter Herro verstand die Welt nicht mehr. Ich war doch seine große Liebe und plötzlich hatte er eine Rivalin vor der Nase, der er einfach nicht gewachsen sein konnte. Und ich begann schleichend aber dann bestimmt um die Sicherheit meiner Hunde zu fürchten. Zuerst waren es meine Hunde, dann wollte sie mich auch vor unbekannten Menschen verteidigen. Bei den Spaziergängen begann sie Passanten anzuknurren, wenn sie mir zunahe kamen, aber alles eskalierte erst recht, als ich Kontakt zu jener Cousine aufnahm. Am Vormittag hatte ich ihr Lola  vorgestellt, doch Lola hatte sie tiefgrollend angeknurrt. Die junge Frau konnte sich darauf nun wirklich nicht mehr erinnern, dass das Lola war, und ich war über Lolas Reaktion überrascht. Es war das erste Mal, das sie an meiner Seite böse geknurrt hat. Am Nachmittag bekam ich dann den Anruf von der jungen Frau, dass das wahrscheinlich doch Lola sei und gegen Abend kamen ihr Mann und sie zu uns in die Wohnung und sich Lola genauer anzusehen. Sie kamen mit bleichen Gesichtern,  und genau wie bei dem jungen Mann, stand ihnen die Angst ins Gesicht geschrieben. Sie kamen mit Kochschinken und fragten durch die Türsprechanlage, ob ich Lola denn an die Leine nehmen könnte - wie gut das ich es getan habe. Sanft und verschmust rekelte sie sich halb auf meinem Schoss, kaute wie ein Welpe an meinen Händen, während ich neben ihr auf der Erde hockte, als plötzlich eine totale Wesensveränderung mit ihr vorging. Das junge Paar, die ehemaligen Besitzer, traten ein und beim ihrem  Anblick flippte sie völlig aus. Sie warf sich von einem auf den anderen Moment im tiefsten Hass in die Leine und wollte das junge Paar zerreißen, dann drehte sie sich um und leckte mir das Gesicht voller Liebe. So ging es eine halbe Stunde und sie war nicht zu beruhigen, im Gegenteil. In diesem Moment wurde sie mir einwenig unheimnlich und mein Freund gab später zu, dass er Angst vor ihr bekam. Das junge Paar erkannte Lola wieder, selbst die kleine weiße Flocke auf der Brust war da. Warum aber hasste Lola sie sie sosehr? Was hatte man der Hündin angetan? Zu mir war sie so sanft wie ein Lamm, und ich glaube, wenn sie nicht an der Leine gewesen wäre, hätte sie das Paar ernsthaft angegriffen. Dankbar endlich wieder gehen zu können, verschwanden sie schnell - und Lola war augenblicklich wieder die sanfte verschmuste Hündin. Und dennoch, ihr Wechsel war beängstigend gewesen ...

Und blieb es auch, denn in dieser Nacht, der zweiten, musste ich aus dem Bett aufspringen um die meinen Herro anknurrende Lola dringend zu verweisen. Herro wollte nur zum Wassernapf, es wurde ihm von Lola verboten ... Lolas Anwesenheit wandelte sich in Bedrohung, nicht für mich aber für alle Menschen und Tiere, die in meiner Nähe lebten und vor allem - die sie fürchteten, denn das war der Knackpunkt. Ich behandelte sie streng aber lieb, das fand sie richtig, zeigte aber jemand Angst vor ihr, nutzte sie das aus, andersherum aber hatte niemand etwas vor ihr zu befürchten. Sie war wie ein Spiegel - so wie man ihr begegnete, so begegnete sie ihre, Gegenüber ... Am nächsten Tag trat der Vater meines Freundes ohne "Vorwarnung" über die Balkontür in die Wohnung ein, die Hunde umsprangen ihn und er selber, eine große Hündin besitzend und nichts böses denkend, klopfte Lola einfach den Kopf und schritt weiter. Für Lola war das völlig in Ordnung, sie hat sogar gewedelt. Am selben Tag wollt sie jedoch auch drei alte Damen mit Regenschirm angreifen, die mir zu nahe kamen. Alles in allem war Lola unsicher und in ihrer Unsicherheit zu extremen Reaktionen fähig.

Das junge Paar rief an und sagte, sie hätten mit Lolas neuen Besitzern telefoniert. Lola befände sich noch auf dem Hof, was aber nie überprüft wurde. Zugleich aber hatten Bekannte die neuen Besitzer an jenem Samstag in Cardona gesehen ... seltsam, konnte es sein, das sie Lola das ganze Jahr über schlecht behandelt hatten und nun ihrer überdrüssig waren und sie wieder nach Cardona gebracht hatten, um sie dort auszusetzen? Lolas Geheimnis, ja, es war alles ein Geheimnis und nur Lola kannte die Wahrheit. Ich war gerührt über ihre unerschütterliche Liebe in mich, sorgte mich aber mittlerweile sehr um meine Hunde. Da Pedro sich ihr eindeutig unterwarf und dabei jedoch sehr unglücklich war, weniger um ihn sondern um meinen alten lieben Herro. Zeitlebens hatte sich Herro aus den gängigen Hundegeschichten herausgehalten. Für ihn war seine Welt heil, wenn er in meiner Nähe war und meine Liebe spürte. So fuhr er also damit wie gewohnt fort, nun - das ist ja auch sein Recht - an meiner Seite zu sein, und war damit Lola nun deutlich ein Dorn im Auge. In ihren Augen war Herro der, der ihr meine Liebe stahl. Als ich die drei Hunde für zwei Stunden allein in der Wohnung lassen musste, starb ich tausend Ängste wegen Herro. Ich hatte Lola zwar angebunden, wusste mir sonst nicht zu helfen, aber so ging das nicht weiter. Eine eigenartige Atmosphäre herrschte in der Wohnung, denn auch mein Freund hatte das Vertrauen in Lola verloren, und mit ihrem herrischen, menschlichen und ach so kritischen Blick bekam er beim Essen kaum mehr einen Bissen herunter. Ich musste Lola endlich in das Tierheim bringen, sie tat mir so leid. Verriet ich sie? Aber ich wollte nur ihr Bestes. So telefonierte ich mit meiner hilfreichen Freundin und machte für den nächsten Tag einen Termin aus, ach wie mir das weh tat und schwer fiel - doch dann in der folgenden Nacht war ich froh darum. 

In dieser schreckte ich heftig erschrocken hoch, denn Lola war über Herro hergefallen, der mal wieder zum Wassernapf wollte. Mein alter Herro lag auf dem Rücken und musste sich ihr ergeben, dieser starken dominanten Hündin - nein, also das ging ja nun wirklich nicht.  Lola hat nicht gebissen, sie wollte nur die Sache ein für alle mal klarstellen ... und Herro wirkte schlichtweg geschockt.

Der Tierheimtermin war am Nachmittag und nun konnte ich es kaum mehr abwarten, denn ich ertrug die Verzweiflung meiner Hunde auch nicht länger. Am Vormittag kam es noch zu weiteren Liebesattacken auf Herro und ich fühlte mich schlecht. Das war wohl auch der Grund warum Lola nach dem Schuldigem suchte, schließlich wollte sie nur mein Glück - und alles drehte sich im Kreis.

Bevor ich sie dem Tierheim übergab, wanderten wir Vier eine zweistündige Runde, die dann wieder Harmonie und Freude brachte. Nur in der Wohnung war Lola so besitzergreifend, im Feld verteidigte sie mich lieber gegenüber allen Passanten und akzeptierte meine Hunde. Lola war so lieb zu mir und ich liebte sie dafür. Später fuhr ich mit allen drei Hunden friedlich im Auto vereint zu dem eine Stunde entfernten Tierheim - viele Kurven, die Lola schwindeln ließen. Sie legte ihren großen Kopf auf meine Beine und sah mich mit ihren schönen Augen liebevoll an. Ich kuschelte sie lange, ehe ich sie in diesen Zwinger sperrte - fühlte mich wie eine Verräterin. Aber was sollte ich denn tun, behalten konnte ich sie nicht - und ich tat das Richtige, aber das wusste ich erst später ... Ich verstand diese Hündin so gut und hätte ich keine anderen Hunde gehabt, hätte ich aus ihr einen lieben wundervollen Hund machen können. So aber konnte ich nur hoffen, dass sie einen anderen Menschen finden würde, trotz bedrohlichen "Kampfhundeoutfit", der ihr zeigen würde, wie das Leben wirklich sein kann - und wie lieb die Menschen, denn Liebe hat Lola niemals in ihrem Leben zuvor erfahren. Als sie erwachsen war, sah sie bedrohlich aus und die Menschen reagierten mit Angst, sie mit Unsicherheit. Sie wurde verstoßen und geächtet und hat niemals den Grund dafür verstanden. Alles was sie wollte war und ist Vertrauen und Liebe, das andere Geheimnis, was mir nun offenbart wurde. War es jene Lola aus Cardona, oder war es eine andere Lola, dieses Geheimnis würde nie gelüftet werden, ihr zweites Geheimnis aber, war mir soeben als Wahrheit gegeben worden. Die Liebe ist der Schlüssel zu allem -  und nach diesem Schlüssel hat Lola verzweifelt gesucht. Als ich sie zurückließ, wimmerte und weinte sie wie ein Mensch, diese furchteinflößende und doch so sanfte Hündin.

Nachtrag:

Lola bekam einen anderen Namen und wurde kastriert. Obwohl sie "fast" ein Dogo Agentino war, wurde sie, sie war ja auch "nur" Mischling, nach einem Monat nach Deutschland vermittelt. Ich hatte mich wie eine Verräterin gefühlt, später aber habe ich gewusst, dass ich das Richtige getan habe, denn: ich habe Lola mit allen ihren Geheimnissen zum Glück verholfen. Eine hundeerfahrene Frau, die eben gerade diese Hunderasse so liebte, eben der Liebe willen, hatte sich in Lolas Foto im Internet verliebt. Sie hatte ein großes Gut und war zudem  alleinstehend. Lola hat mit ihr die Liebe und das Glück gefunden - und alte Geheimnisse wurden unwichtig, denn wichtiger war das neue Leben, indem sich ihr Herz endlich öffnen durfte. Lebe wohl, du treue Seele ...

 

Ina Erwien,  2004