Hunde und Hundesteckbriefe, untermalt mit Fotos
aus Cardona, Katalonien 
von Ina Erwien

Cardona ist eine mittelalterlich anmutende Kleinstadt mit ca. 5.000 Einwohner in Katalonien, Spanien. 
Hier stelle ich nun die aktuellen Hundeleben aus Cardona vor. Es gibt hier nämlich ein "Kastensystem", ähnlich bei uns in Deutschland einst im Mittelalter. Nur ist es auf Hunde zugemünzt ...

Hunde und Hundesteckbriefe ... aus Cardona 

Und nun folgen einige Hundeschicksale, in absteigender Reihenfolge ... denn das Kastensystem betrifft auch die als "Haushund" gehaltenen Hunde ...

Die geliebten Hunde

Sie heißt Nakay und wurde als Welpe von ihren Besitzerinnen am Strand von Cambrills in einem Karton aufgefunden. Sie genießt ein herrliches Hundeleben mit ganzzzzzzz viel Liebe, weiten Spaziergängen und eben allem was es braucht, um diese nette Hündin glücklich zu machen. Ihre Lieblingsspeise ist Käse und des Nachts schläft sie an ihre geliebten Besitzerinnen gekuschelt. Mutter, Tochter und Nakay wissen ganz genau was sie aneinander haben und genießen jeder Sekunde miteinander!

Und wer noch mehr von Nakay lesen möchte, kann das unter:

Nakay aus Cardona

 

Sie heißt Tona und lebt an der Seite ihres Frauchens in Liebe und im Hundeglück. Drei Mal täglich wird sie ausgeführt, sie schläft neben dem Bett (oder drin?), Urlaube werden nach ihr ausgerichtet, wo sie nicht erwünscht ist, da fährt man auch nicht hin ... Da ihre Herrin nicht arbeitet, verbringen die beiden alle Zeit miteinander und sind ein recht eingespieltes Damenteam. Angeschafft hatte sie einst der Sohn in Barcelona, der sie schon bald an seine Mutter abgab. Was für ein Glück für die beiden ... Tona ist ein glücklicher geliebter Hund.

 

Sie heißt Duna und ist ein Wunschhund und wird voller Liebe auch so gehalten. Sie lebt und arbeitet mit ihrer Besitzerin, denn sie ist ihr stets zur Seite, wenn diese in ihrem Laden Zeitschriften und Zigaretten verkauft. Duna wird geliebt und sehr umsorgt mit allem was es braucht, Tagsüber ist sie in jenem Laden und später dann Seite an Seite in der Wohnung ihrer Besitzerin.

 

 

Er heißt Trastu, was "unnütz" bedeutet. Als Halbwüchsiger wurde er an der Landstraße zu Cardona ausgesetzt und von hundefreundlichen Leuten aufgegriffen, die ihn behalten haben. Er lebt in einem großen Garten und schläft nachts im Bett. Haus und Garten, alles sein!!! Er wird geliebt und mit allem versorgt, was es braucht. Nur spazieren geführt wird er so gut wie nie, dafür jagt er voller Freude die Katzen im Garten. Bei Familienfesten ist er immer mit dabei. Er kann sogar ein paar Kunststücke und liebt Autofahren heiß und innig. Am Tor bellt er wie wild die Leute an und hat einen großen Dickkopf, obwohl er recht klein ist.

 

Sie heißt Nuca und ihr wurde eigens eine Hundehütte in den Garten gebaut. Abends wird sie immer etwas spazieren geführt. Tagsüber hängt sie im Garten an der Kette.  Manchmal aber ist sie auch frei darin. Nachts schläft sie in der Garage. Am Wochenende machen ihre Menschen Ausflüge mit ihr.

Sie wird gut gefüttert und ausreichend medizinisch versorgt. Zudem wird sie geliebt, nur haben ihre Besitzer wenig Zeit für sie.

 

Er heißt Sugar und sollte als Baby getötet werden. Deshalb adoptierte ihn eine junge Frau, bei der er heute in Manresa in ihrer Wohnung lebt. Sie liebt ihn sehr und tut alles für ihn. Ihre Eltern aber leben in Cardona und so lebt er halb hier und halb dort. Hier lebt er an der Kette im Garten, hat eine eigene Hundehütte und wird ausgeführt und gut versorgt - nur hat er "Hausverbot". 

In Manresa lebt er in einer Wohnung, wird sehr gepflegt und schläft dann und wann sogar im Bett. Er wird auch dort ausgeführt und hat ein glückliches Hundeleben. In beiden Wohnsitzen wird er geliebt und umsorgt - in einem eben innen - im anderen außen ...

 

Sie heißt Dina und lebt im Garten eines Hauses und hat auch Hausverbot. Dafür hat sie ein eigenes Zimmer, mit Sofa. Sie wird gut gefüttert und ebenso gut medizinisch versorgt. Ihr Herr ist leider krankheitsbedingt schlecht zu Fuß und sorgt deshalb für ihren täglichen Auslauf auf seine Weise: er lässt sie täglich frei neben dem Auto herlaufen (was sie liebt!) und betreibt mit ihr einen Kleingärtnergarten. Dort verbringen beide viel Zeit miteinander, jeden Tag ...

 

So wie die folgenden aufgeführten Hunde, lebt der Hauptanteil der als "Haushunde" gehaltenen Hunde ... 

Das Mittelfeld

Er ist ein reinrassiger Basset. Nun auf dem Foto sieht man, wie er lebt. Er hat "Hausverbot", dafür hat man ihm aber eine schmucke Hundehütte im eigenen Garten gebaut, wo er an seiner Kette lebt. Er wird jeden Tag spazieren geführt und wird auch gut versorgt .... Wenn sein "Lebensraum" auch nicht der größte ist, hat er wenigstens die Zusprache seiner Familie - vor der Tür - versteht sich ...

 

 

Er lebt ganztägig und ganzjährlich auf seiner Terrasse, angekettet. Nachts schläft er in der Garage. Ausgeführt wird er nie. Dann und wann spielt am mit ihm "auf" der Terrasse. Er wird medizinisch versorgt und sicherlich auch gut gefüttert ...

 

Er lebt ebenfalls ganztägig und ganzjährlich in einem Garten oberhalb einer Seitenstraße, ebenfalls immer angekettet. Er verlässt diesen Ort nie. Ob er wenigstens gut versorgt wird? Hoffentlich. Als er noch jünger war, wurde er mit Maulkorb - zählt er doch zu den sogenannten "Kampfhunden" - ausgeführt. Heute dagegen gehört das der Vergangenheit an.

 

Er lebt immer in einem Garten oberhalb eines Weges, ein riesiger Mastinmischling. Er ist nicht angekettet, aber er verlässt diesen Ort nie.  Seine Menschen sind alte Leute, die ihn gut füttern und ihn in seinem Garten auch aufsuchen.

... und hier möchte ich unbedingt die Hunde bedauern, die ihr Leben im Dunklen als Garagenhunde verbringen müssen. Die Anzahl dieser Hunde ist enorm. Einige verbringen nur im Glücksfall die Nächte in der Garage, doch es gibt unzählige Hunde, die ihr ganzes Leben angekettet in ihnen verbringen. Das ist hier eine ganz alltägliche Form einen Hund zu halten.

Lesen Sie bitte:  Der Garagenhund dazu.

 

Den klassischen weißen Pudel findet man erstaunlicherweise gleich fünf mal in Cardona - und erstaunlicherweise gleich fünf mal sich selbst überlassen frei durch Cardona stromernd. Dieses Foto steht für alle fünf. Sie haben alle Besitzer aber alle Besitzer überlassen ihre lieben Vierbeiner tagsüber sich selbst. Alle fünf beherrschen so in etwa die Regeln der Straße - hoffentlich.


Hundeleben im absoluten Elend, jenseits jeder Lebensqualität und Hoffnung auf irgendetwas ... 

Die Verlierer

 

Kettenhunddasein in Cardona

In Cardona, rund um Cardona und eigentlich überall findet man sie: Kettenhunde, lebenslänglich dazu verdammt. Ohne Hoffnung auf eine Veränderung. Sie sind der extremen Witterung ausgesetzt und erleiden oftmals auch Durst und Hunger, natürlich nicht alle. Sie leben abseits von Menschen- und Artkontakt, allein ... die Länge der Ketten variiert hier auch sehr extrem ...

Meinst sind es große Schäferhundmischlinge, die dieses Schicksal trifft, natürlich findet man sie von klein bis groß ... aber der Schäferhundtyp ist der deutliche Favorit ...

Hier komme einige Kettenhunde. Sie stehen für die vielen hundert Kettenhunde aus Cardona - oder sind es tausende? Wer kann es sagen ... 

In den Bars erzählt Pacco - sein Besitzer - was er für einen erstklassigen Schäferhund besitzt. Nun das ist er, schon seit zehn Jahren lebt er so an diesem Platz ...

Er ist schon 14 Jahre an diesem Platz, lebenslänglich wohl, denn seine Herren meinen, dass er jetzt doch schon sehr alt sei. Gefüttert wird er, dass ja. Seine Besitzer haben zudem erzählt, dass er ein ganz toller Hund sei - doch sie danken es ihm wohl nicht ...

 

Sie bewacht eine Baracke. Sie ist sehr ängstlich und immer allein.

Sie ist sehr mager und auf den ersten Blick findet man weder einen Futter- noch Wassertopf, auf den zweiten auch nicht.

Er lebt sein ganzes Leben hier und so, an einer 1,50 m langen Kette mit Loch in der schmucken gemauerten Wand in einem wunderschönen Garten (den er ja sehen aber nicht betreten kann)  und einer teuren Villa, die er wohl bewachen soll. Immer und genau so, seit Jahren. Er wird gut gefüttert, sicher der Höhepunkt in seinem tristen Leben.

Tom, der Kettenhund

Acht Jahre ist er alt, so ungefähr. Seine Menschen haben ihn Tom genannt. Seine Augen sind auf die Menschen und Hunde gerichtet, die an seinem Platz vorbeigehen. Dann springt er auf und bellt, dreht seine Runden an seiner kurzen Kette. Seine Augen funkeln, seine Rute ist aufgestellt. Es ist seine Aufgabe, eine andere hat er nicht. 

Sein Leben macht ein sonniger Platz aus, der ihm zur Mittagszeit keinen Schatten bietet.  Er kennt es nicht anders. Als Welpe wurde er hier angekettet, seitdem hat er die Kette nie mehr verlassen - niemals.

Sein Halsband, ein derber Lederriemen, verbindet ihn mit der Kette und einem eisernen Pflock, der in den Boden geschlagen ist. Er hat eine Hütte, die so klein ist, dass er nicht in sie hineinpasst, wenn er zur Nacht einen warmen Platz braucht und wenn es denn dann sein muss, auch kaum mehr heraus kommt. Wenn es regnet, steht er in einer riesigen Pfütze aus Wasser. Oftmals muss er dann auf seine kleine Hütte springen, denn alles um ihn steht unter Wasser. Schon sehr oft hat er Tage auf seinem Hüttendach zugebracht - und Nächte. Das Wasser stet bereitwillig und der Hund stet darin. Zum Glück regnet es ja nicht so oft, doch wenn die brennende Sommersonne Kataloniens auf ihn schein, hechelt er sich die Zunge aus dem Leib.

Er wird gefüttert, dass ja. Seine Menschen kommen jeden Tag zu ihm, denn sie haben eine Schreinerei, die er ja bewacht. Deshalb ist er da, der riesige Schäferhundmischling. Als seine Menschen die Schreinerei vor acht Jahren eröffnet haben, haben sie ihn als Junghund davor angekettet. Niemand würde sich trauen, an dem großen Cerberus vorbeizutreten - ist er auch noch so lammfromm. Wer weiß das schon?

So lebt er dahin, von Sommer zu Sommer, von Winter zu Winter. Nichts ändert sich, alles ist immer gleich. Die Hunde, die an ihm vorbei spazieren geführt werden, beachten ihn nicht - da kann er noch soviel bellen. Die Menschen, die an ihn vorbei gehen hoffen dann nur, dass ja seine Kette halten möge. Sie hält aber immer - seine Menschen haben sehr darauf geachtet, eine stabile dicke Kette anzubringen, die ständig an seinem Hals zieht. Daran hat er sich gewöhnt, es ist eben so, wie alles so ist - Tag für Tag, Jahr um Jahr.

 

Jagdhunddasein in Cardona

In Cardona ist das Jagen sehr in. Von Oktober bis März an drei Tagen der Woche sieht man ständig kleine Hänger voll mit Jagdhunden, die von Jeeps gezogen werden. Es knallt besonders häufig am Sonntag, doch auch der Donnerstag und der Freitag ist dafür ausgesehen. Die dafür gehaltenen Jagdhunde fristen ein Leben das für einen Hundefreund unvorstellbar ist. In Baracken eingesperrt leben sie ihr Leben in Kot und Dreck. Ihre oftmals kurzen Leben sind so voller Traurigkeit, dass es schwer zu ertragen ist, einen Blick allein in diese widerlichen Baracken zu werfen. Wie viel Hunde so leben und sterben müssen, nun, sie werden auf immer ungezählt sein ...

Ist die Jagdzeit vorbei, müssen sie das ganze restliche Jahr in ihren elenden Gefängnissen verharren, während der Jagdzeit, verlieren viele Hunde ihr Leben. Taugen sie nicht zur Jagd, ebenfalls ...

Ein Ort der Qual, unterhalb von Cardona 

An diesem Ort leben 13 Jagdhunde - so. Zwei Hunde sind jeweils vor den zwei Baracken an der Kette. Die Baracken bieten weder Schutz vor der Hitze im Sommer oder der eisigen Kälte im Winter, weder Schutz gegen Regen, denn ihre Dächer sind durchlöchert - noch ein hundewürdiges Leben, oder?

Die Baracken sind klein und völlig überfüllt mit Hunden. Diese Hunde werden aber dennoch von ihrem Herrn regelmäßig aufgesucht und auch gefüttert. 

Lesen Sie bitte unter Hundegeschichten und Hundeschicksale:
 Der Traum von Shelly - zwei Tage Hund dazu.

 

Ein Ort der Qual, abseits von Cardona 

Die nun folgenden Fotos sind an einem Ort außerhalb von Cardona aufgenommen, nahe Lurdes, wo ein sogenannter Jäger seine Hunde nach seinen Maßstäben hält. Der Ort ist ein alter Schweinestall und die genaue Anzahl der Hunde ist nicht erkennbar. Neben den gezeigten Ställen gibt es etliche Hunde, die in weiteren Baracken gehalten werden, die keine Fenster sondern nur eine verschlossene Tür aufweisen. 

Nicht jeden Tag fährt er zu ihnen und auch nicht jeden zweiten. Am Tage als die Fotos entstanden, hatte keiner der Hunde Wasser oder Futter. Alle standen sie in ihrem Kot und schrieen, als sie mich und meine Hunde wahrnahmen.

Durch ein Loch im Zaun haben diese eingepferchten Jagdhunde immer wieder ihren Kopf hinausstrecken können. Verzweifelt wollten sie gestreichelt werden.

Und von Innen, endlose Reihen eingepferchter Jagdhunde ...

 

Er lebt auch hier, ein abgemagerter Deutscher Schäferhund 

Er ist vor der Baracke angekettet. Auch er hat kein Wasser und kein Futter, auch er steht in seinem Kot an seiner kurzen Kette. Man beachte seine Hundehütte. Sie ist nach Süden ausgerichtet und bietet weder Schutz vor der beißenden Sonne noch vor der eisigen Kälte im Winter.

 

Keiner dieser Hunde verlässt sein Gefängnis, außer an den Jagdtagen wird er gebraucht. Die Hunde werden nicht jeden Tag gefüttert und gewässert, werden niemals ausgeführt oder mit Zuneigung bedacht (wobei ich ja nicht dabei bin, wenn der Halter kommt - ich nehme es an), von medizinischer Versorgung ganz zu schweigen. 

Mehrer Male habe ich tote Hunde unweit von hier in den Wald geschmissen gefunden. Ob sie eines Todes aufgrund der schrecklichen Haltungsbedingungen gestorben sind oder ob sie bewusst getötet wurden, kann ich nicht wissen. Einen braunen Jagdhund aber, den ich dort im Jahre 2002 fand, er war noch warm, hatte eine Kugel im Kopf.

 

Hüterin eines Schweinestalls mit Jagdhunden

Was hat sie verbrochen? Sie lebt als Hüterin eines Schweinestalls, der "über" zehn Jagdhunde birgt. Der Besitzer, dass weiß ich vom hiesigen Tierarzt, weiß nicht einmal wie viele Hündinnen und Rüden er besitzt. Sie ist sehr ängstlich und verschüchtert und lebt immer so, eben wie es das Foto zeigt,.

Wie viele Hunde der Schweinestall birgt, bleibt verborgen, denn sie leben in Dunkelheit und Gestank.

Lesen Sie bitte unter Hundegeschichten und Hundeschicksale:
 Der Schweinehund dazu.

 

Ein weiterer Ort ...

Vom Weg aus 

Hier leben in diesen Baracken eingesperrt - und zum Teil auch davor angekettet - etliche Jagdhunde. Sie gehören einem Tierquäler, der sie züchtet, verkauft und wenn sie nichts taugen auch eliminiert, so hat mir zumindestens sein Frau lachend versichert. 

Und etwas näher ... schneller Schnappschuss nach Innen in die Baracke links. 

Es gibt etliche solcher Baracken auf dem Grund ...

Da er neben diesen Baracken lebt, ist es nicht möglich die Hunde in Ruhe zu fotografieren. Geht man an dem Grundstück vorbei, bellen sie wie wild. Man hört sie aber man sieht sie nicht, denn der Mensch hat alles mit Brettern zugenagelt. Die Hunde verlassen diese Baracken niemals.

Diese Hunde werden zumindestens gefüttert, das ja. Ist doch schon was ...

 

Ein anderer Ort der Qual, im Tal Coma gelegen. 

Verdammt, verlassen, verloren, so leben diese Jagdhunde ihr Leben, Hunger, Durst, Kälte und Hitze ausgesetzt leben sie in ihrem Kot und mit ihren Zecken. Medizinische Versorgung gibt es nicht, nicht einmal tägliches Wasser, von Futter ganz zu schweigen. 

Die Bilder sprechen für sich, oder? Sie gehören einem depressivem Tierquäler, der in meiner Zeit hier "so" neun Hunde zu Tode gequält hat. Diesen Ort verlassen sie nie, denn sie werden nicht einmal zur Jagd "benutzt". Warum er diese Hunde hier hält und quält, dass weiß dieser Mensch wohl nicht einmal selbst ...

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