Geschichten mit und über Herro ...

Mein Seelenfreund 

Als ich Herro traf, war es mir so, als kannte ich ihn bereits - und ich glaube, dass es auch so ist. Es ist ein Gefühl, eine Ahnung und ein Wissen. 

Ein Lebewesen in und auswendig zu kennen und viel mehr zu lieben, beim ersten Augenblick - das ist ein großes Geschenk! Er und ich sind immer gleich, also das heißt, wenn es ihm gut geht, geht es auch mir gut und geht es mir schlecht, ist das umgekehrt auch der Fall. Ich meine zu fühlen wie er fühlt - und ich sehe, dass er auch meine Gefühle kennt. Geht es mir schlecht, kommt er zu mir und drückt sich an mich. Er schmiegt sich an, er leckt meine Hand oder das, was er von mir erwischt. Ich sehe in seinem Blick Besorgnis - er will, dass alles gut ist. Bin ich gut gelaunt, schlägt er Harken, springt mich an, lacht. Er ist lustig, hat den Schalk im Nacken. Er kann sehr melancholisch sein - und mit mir stundenlang und schweigend, wie zu Stein erstarrt den Mond ansehen. Dann sind seine Sinne gespannt, alles ist wach doch er ist bewegungslos. Ich weiß, dass er dann über mich hütet, was seine Aufgabe ist.

Als ich einmal eine Darmgrippe hatte, hatte er am selben Tag - im selben Moment diese ebenfalls. Bin ich nicht in seiner Nähe, meine ich zu fühlen, wie er sich fühlt. Dann kommen Bilder in mir hoch, die mir zeigen, was er gerade macht. Ist es so? 

Das er auch erfühlt, was ich denke zeigt sich, wenn wir zusammen ganz hundeunmögliche Sachen machen wie - Sessellift oder Motorrad fahren. Er fühlt, das alles OK ist, wenn ich es ihm signalisiere. Er vertraut mir, traue ich ihm das zu, traut auch er sich das zu. Er weiß, dass ihm nichts geschehen wird, er weiß, dass ich gut für ihn entscheide. Es muss schon einen erstaunlichen Eindruck gemacht haben, als Herro als stolzer Mitfahrer auf meinem Schoß auf einer großen Harley Davidson gesessen hat und souverän mit stolzen Blick und an mich gedrückt die Menschen und die Umgebung beobachtet hat, die wiederum uns angestarrt haben. Auch als großer schwarzer Hund auf meinem Schoß und im Sitz eines Sesselliftes den Hörnli in Bayern heraufzufahren, hat für etliche erstaunte Gesichter gesorgt.  Habe ich Angst, hat auch er Angst. Er verkrampft sich, duckt sich, schreckt schnell zusammen. 

Herro ist ein ruhiger und weiser Hund, dem das Leben ein Schicksal beschert hat, was wenige Hunde erfahren. Aus der größten Not ist er ins Glück gelangt und hat an meiner Seite neben so vielen schönen Dingen auch so viele Veränderungen erlebt, die er alle ruhig angenommen hat. Da wo ich bin, will er auch sein und so ist es richtig für ihn. Er ist meine große Hundeliebe und diese Liebe ist es, die uns so vertraut sein lässt. Tiefe Gefühle bedingen ein Wissen des Gegenteils. Seelenverwandtschaft, woher kommt sie? Eine Frage ... und die Antwort? 

Herro ist mein Seelenfreund und sein Leben an meiner Seite ist viel mehr, als man sehen kann. Man fühlt es eben ...

Ina Erwien, 2003