Mein Herro musste gehen ...

 

 

Abschied

Herro war sehr krank, aber sein Wille war so stark, und ein Wille versetzt Berge. Er liebte mich so, wie ich ihn liebte und er konnte mich nicht lassen. Ich kann nicht viel über den letzten Sommer schreiben - ich kann es nicht, aber er war grausam. Mit dem Wissen des endgültigen Abschieds leben, mit schweren Atemnotattacken, mit einem schwerkranken bewegungsunfähigen alten lieben Jungen, der im Geiste so klar und im Herzen so goldglänzend war.

Er und ich wussten von allem und er und ich genossen die schönen Momente. Der Körper entstellt, vernichtet, war doch sein Kopf wie immer, seine Augen so stolz wie immer, klar und wissend, keinen einzigen Zahn hat er verloren: er war und ist der stärkste Hund, den ich jemals habe kennengelernt - und ER IST MEIN HUND UND FREUND FRÜR IMMER. Daran ändert auch der Tod nichts.

Im Sommer 2006

Der Tod kam am 6. September 2006 um ca. 18.00 Uhr. Von dem schlimmsten Atemnotanfall von allen gewesenen konnte er sich nicht mehr erholen, war gelähmt, war, es war der Zeitpunkt. Man wird so klar im Kopf, so sachlich, um den unglaublichen Schmerz nicht hochkommen zu lassen. Der Tierarzt kam und Herro schlief als 16 Jahre junger Hund liebevoll in meinen Armen ein. Meine beiden Tiere, Pedro und Raya schauten zu, nachdem sie ihn noch einmal geküsst hatten und sich dann zurückzogen. Alle wussten es, auch Herro. Er befahl sich weise in meine Arme und wurde op seiner Erstickung und seiner Gelähmtheit und seiner Panik ganz ruhig und¨ergab sich, wie auch ich mich ergeben musste.

Und in meinen Armen ist er gegangen, als uralter wundervoller Hund und Freund, in Liebe und in Frieden.

Ich habe immer so Angst gehabt den richtigen Moment zu erkennen, aber es gab nichts zu erkennen, er war da und es gab nicht einen Zweifel. Er war da.

Eine Nacht sass ich an seiner Seite und dann legten wir meinen lieben Freund in sein Grab. Pedro legte sich zuerst hinein, er wollte auch nicht dort weg.

Pedro und ich wurden krank, sehr krank, von jetzt auf gleich. Ich erholte mich eher, Pedro magerte ab und lahmte, litt unter Knochenschmerzen, litt und litt. Und wir liefen und liefen, oft zur Nacht, zehn, fünfzehn km, zwei Stunden waren nichts.

Unsere Ruhe kam erst zurück, als ich wieder von Herro träumen durfte, und man mir im Traum sagte, dass es nicht hätte eher sein können, weil ich es nicht ertragen hätte. Und auch von diesem Tage an, frass auch mein Pedro wieder.

Ich kann nicht annähernd beschreiben was es bedeutet, seinen geliebten Hund zu verlieren. Nur dass ich sicher bin, dass sein Todesmoment der war, der es sein musste und ich diesen Weg, solange ich ihm folgen durfte, mit ihm gegange bin. Ich kann nur sagen, dass es wundervoll ist, einen liebevollen wunderbaren Hund, Pedro, an seiner Seite zu haben, der mit einem durch dieses tiefe Tal der Dunkelheit geht und er meine Hilfe und meine Liebe braucht, wie ich die seine. Ich weiss nicht, was ohne Pedro geschehen wäre. Die aber, die uns alle immer geschützt, geliebt und zusammengehalten hat, ist meine Katze Raya, die Herro sehr liebte. Pedro und Raya haben sich nun sehr zusammengefunden, lieben und hüten sich.

Und: ich habe nicht das Gefühl das Herro fort ist. Mir fehlt es so ihn an meiner Seite zu haben und zu liebkosen, aber er ist mir so nah. Er ist einfach da, immerfort, und mittlerweile kann ich mich auch lächelnd in so viele schöne Erinnerungen hineindenken, ohne zu weinen.

Pedro und ich am Abgrund

Ich danke für den wundervollsten Hund den es für mich geben kann und ich danke für meinen Pedro und für meine Katze Raya, diese wundervollen Herztiere, die mein ein und alles sind. Was Pedro und ich in dieser Zeit mitgemacht haben, ist schwer zu beschreiben wie alles auch unwirklich, aber wir hatten bei allem Leid uns, und so sind wir zu ganz neuen Ufern aufgestiegen: wir gehen jetzt Bergwandern und unternehmen weite Wanderungen, atemberaubend schön, die uns die Welt in ganz neuen Blickwinkeln eröffnet. Und Herro geht im Herzen und in Gedanken immer mit.

Bis das die Zeit sich wandelt muss ich warten auf dich, mein lieber Junge, aber ich weiss dass es eine andere Zeit geben wird, und dann werden wir wieder vereint sein.

Für den treusten und wundervollsten Freund, den es geben kann. In tiefster Liebe.

Ina und Pedro,

                                     für dich.

Unsere letzte Nacht - wir wussten noch nicht, dass es die letzte war, aber wir haben ein kleines Fest gefeiert ...

Im Nachhinein haben wir ein Abschiedsfest gefeiert, ich bin so dankbar, dass es so war.