Erfahrungsberichte von Hundefreunden

Ritschi - KLEINES PLÄDOYER FÜR DEN HUNDE-RENTNER... Fortsetzung

Und Traumhund Günni ist "schuld", dass ich mein Herz an die ALTEN verloren habe, an die GRAUEN SCHNAUZEN...

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KLEINES PLÄDOYER FÜR DEN HUNDE-RENTNER... Fortsetzung

 

... am 8.8.98 habe ich "Günni" adoptiert.Es war ein Sonntag, an dem die liebe Sonne lachte und der Himmel sich zu freuen schien.

Viele Kirchenglocken läuteten, als wir beiden, mein "Herrchen-gesucht-"Hund und ich, durch die idyllischen hessischen Dörfer nach Hause fuhren.

Die SCHÖNSTE Zeit in meinem Leben begann... "seine" wohl auch!

Beinahe 4 innige Jahre schenkte der liebe Gott mir und meiner "grossen Hundeliebe" noch.Eine Zeit, die erfüllt war von Freude, Liebe, Zuneigung, Freundlichkeit, Innigkeit, Vertrauen, Wärme...

In unserer gemeinsamen Zeit zeigte ich meinem "Oldie", was das Leben an SCHÖNEN Dingen zu bieten hat.Mein liebenswürdiger "Professor" (würde man einen Comic-Film mit ihm als Darsteller drehen, wäre er klar für diese Rolle prädestiniert ;-) ) bereiste auf seine alten Tage weite Teile Europas; er badete im Mittelmeer, liess sich an herrlichen Stränden in Südfrankreich und Spanien die liebe Sonne auf den Pelz scheinen, seine Schlappohren (ein halbes und ein ganzes) flogen im rauhen Nordseewind, er versank im Wattenmeer bis zum Bauch im stinkigen Schlick und fand´s klasse, auf catalunyischen Sonnenterrassen liess sich Monsieur von Einheimischen gepflegt mit Häppchen füttern,...

Wir hatten eine gute Zeit.Ich überschüttete mein "Bärli" mit Liebe... und der Hund tat es mir nach!!! Oft hatte ich das Gefühl, an ihm etwas wieder gut machen zu müssen, das die Menschen ihm angetan hatten.Ich bin ziemlich sicher, dass mein "Rentner"  es nicht sehr gut gehabt hatte in seinem Vorleben, und ich konnte nur vage ahnen, welches seelische und vielleicht auch körperliche Leid er hatte erdulden und über sich ergehen lassen müssen... der Gedanke daran treibt mir auch heute noch die Tränen in die Augen, obwohl er schon vor vielen, vielen Monate über die Regenbogenbrücke gehen DURFTE...

So muss man es formulieren.

Denn als Günni am Alter starb, war er sehr krank, sehr schwach, und er WOLLTE nicht mehr leben...

Während seines letzten Lebensjahres baute mein Hund körperlich sehr ab.Er musste täglich Medikamente einnehmen, aber irgendwann half kein Medikament mehr gegen irgendwas.Sein letztes Jahr war unsere Zeit des Abschiednehmens, und sie war für mich vielleicht noch schmerzlicher als die Trauerzeit NACH seinem Ableben...

Ich tröstete mich damit, dass ich SEINEN WILLEN respektiert habe, GEHEN zu dürfen...

Am 27.5.02, nachts, schenkte ich Günni die Erlösung in der Tierklinik in Girona/Calalunya, öffnete ihm die goldene Pforte ins Paradies und machte ihm den Weg in den Himmel frei...

Unendlich schweren Herzens, aber WEIL ich ihn so sehr liebte!

"Bärli" bekam ein wunderschönes Grab auf unserer Finca.

Es war die stärkste und vernünftigste Entscheidung meines Lebens, und es war gut und richtig so. FÜR IHN!

GÜNNI, ICH VERMISSE DICH UNENDLICH!

                              

Ein halbes Jahr später hatte ich das Gefühl, die Zeit ist reif für einen neuen vierbeinigen Mitbewohner... ein "zu Hause" war "frei geworden", ein gutes Plätzchen und sooo viele warten doch so dringend darauf... So erkundete ich also die "Rentner-Fraktion" der "übriggebliebenen", "verlassenen".

Originellerweise fand ich den "Neuen" im gleichen Tierheim, aus dem Günni kam - und nahm es als "Wink von oben".Ich sah "sein" Foto auf der Tierheim-Homepage. las sein "Profil": "Ritschi-Opi", seines Zeichens Franzose, wurde von den Darmstädtern aus dem Tierheim in Saverne übernommen, bin geneigt zu sagen GERETTET, denn  im bitterkalten Winter muss es die Hölle für die armen Hunde sein, weil Saverne ein sehr armes Tierheim ist, viele Hunde einfach aus Platzgründen im Freien schlafen müssen und auch die Hundehäuser nicht beheizt sind.Dackel-Mix, 12 Jahre alt... ein DACKEL??? Ich hatte niemals sonderlich viel für "kleine" Hunde übrig... aber es war SEIN MELANCHOLISCHER BLICK, seine Augen, die so flehentlich schauten..."Ritschi´s" Herrchen war gestorben, und der kleine Kerl hatte sehr getrauert.

Ich beschloss, ihn zu mir zu nehmen.

Ich freute mich auf Günni`s "würdigen Nachfolger" (der würde er sein, meinte die Tierheimleiterin).Ein "rüstiger Rentner" sollte der kleine Ritschi sein, der kleine gemütliche Spaziergänge liebt, in jedem Fall stubenrein ist, und für den auf seinem Menschen rumsitzen und geknuddelt werden, das größte sein sollte...

Da leider zu der Zeit ohne Auto, machte ich mich also mit der guten deutschen Bahn auf den Weg von Völklingen nach Darmstadt, um meinen "Zwergi-Man" abzuholen, fragte vorsichtshalber auch noch mal nach, ob er sich auch gut "befördern" lässt mit Öffis... alles kein Problem, man könne ihn gut tragen!

Das Leben ist aber nun voller Überraschungen, wie wir alle wissen, unvorhersehbar und trifft einen manchmal mit nicht erwarteter Härte,,, :-)))

... ich kam im Darmstädter Tierheim an, und ein winzig kleines, hundeähnliches (?) "Etwas" mit fuchsfarbenem Fell und grauer Nase raste an mir vorbei, zog eine Leine hinter sich her, an der sich eine Pflegerin befand.Etwas unsicher schaute ich mich nach diesem winzigen Fell-Wesen um... :-o  RITSCHI? Sooo klein?! Auf dem Foto, das ich von ihm hatte, mussten sie ihn auf einen Hocker gestellt oder von unten fotografiert haben!!! ;-)

Nun, aber wahre Grösse misst sich nicht in Zentimetern, dachte ich...

Die Pflegerin wollte Ritschi auf den Arm nehmen.Ritschi lehnte dieses Angebot jedoch ab und schnappte nach ihr...

... hmmm ... mein Hund?

Kirstin Höfer (TH-Leiterin) begrüsste mich.Ritschi begrüsste mich nicht.Kirstin meinte, er würde sich eigentlich gut tragen lassen... wollte ihn hochnehmen... er schnappte nach ihr.Beim 2. Versuch schnappte mein Kripplbisser erneut... aha... mein gut tragbarer Hund! Naja...

Ich weiss nicht, ob ich ihn wirklich WOLLTE zu diesem Zeitpunkt.Aber ich fühlte mich dem Knirps  verpflichtet, der sonst bestimmt seinen Lebensabend im Tierheim Darmstadt verbracht, und das Tierheim Saverne gewiss nicht überlebt hätte im eisig kalten Winter!  Ich beugte mich zu ihm hinab.Und erwartete Ignoranz.ABER ER KAM! Legte seine Pfoten auf meine Arme, schaute mich zum ersten Mal an und stupste mit seinem Dackel-Rüssel behutsam meine Nase... OKAY.Schon klar, kleiner Freund.Mein Hund! - Ich musste ihn mitnehmen! NUR WIE? Wenn er sich nicht heben liess? Ich würde ihn mindestens sechs Mal in den Zug hinein- aus dem Zug heraus heben müssen auf der Heimfahrt... gute Nacht, Marie!

Da mir als Tierfreund fesseln und knebeln ;-) nicht als Ideal-Transport-Möglichkeit erschien, wogen wir weitere Möglichkeiten ab... Es wurden diverse Transport-Kisten rangeschafft.In den grossen wog Dackel "Tonnen".In der kleinsten konnte er sich nicht mehr bewegen, und ich weigerte mich, den völlig verängstigten kleinen Kerl so zu transportieren! Also verzichtete ich auf ein Behältnis, zumal er zwischendurch ja auch würde austreten müssen! - Wir verliessen das Tierheim also BEIDE zu Fuss, und im Geiste hoffte ich auf ein kleines Wunder... und es geschah!!! Dackel kooperierte artig, und versuchte nicht ein einziges Mal nach mir zu schnappen! - Ich fand ihn immer noch ziemlich klein (!), als wir daheim angekommen waren, aber begann ihn zu mögen...

Ich hatte mich riesig auf den kleinen Kerl gefreut.Ich war froh, dass er bei mir daheim war.Aber unsere "Kennenlern-Zeit" war anders als die mit Günni, der spätestens  in meinem Herzen war, als er voller Hoffnung, Neugier und Vertrauen in mein Auto eingestiegen war...

Dackel scheinen ZÄH zu sein... :-)) und zäh war auch sein Weg in mein Herz... und unbewusst fortwährend waren auch meine Vergleiche mit meinem verstorbenen Vierpfötchen-Freund, dem klugen, liebenswerten "Professor Günnibär", mein seelenverwandter Hund, der "irgendwie immer alles von allein richtig machte"...  Nein, leicht hatte es mein Dackelchen auch wohl mit mir nicht am Anfang... aller Anfang ist wohl schwer, und Zwergi-Man BEMÜHTE sich rührend alles richtig zu machen... aber vermutlich befand mich der Hundezwerg als genauso ein "Überraschungspäckchen" wie ich ihn.Für ihn war alles GENAUSO NEU wie für mich, und ganz sicher war bei seinem verstorbenen Herrchen ALLES anders als im neuen zu Hause... oft hatte ich das Gefühl, dass Dackelchen nicht verstand, wieso ich nicht verstand, dass Gassi-RENNEN einfach klasse ist... und kleine gemütliche Spaziergänge, wie ich sie kannte und eigentlich auch anstrebte, langweilig sind... dass man auch ganz toll das Pippi einfach in der Wohnung laufen lassen kann, wenn man doch sowieso gerade mal muss und weshalb hund das unbedingt DRAUSSEN (?) machen soll (engstirniges Frauchen!)... wieso ein "hundeverträglicher" Vierbeiner sich an der Leine als irrer Killer gebärdete wenn er einen anderen Hund sah... und dass ich es nicht so lustig fand wie er, dass er halt geknappt hat, wenn ihm was nicht passte... während der ersten Wochen hatte wir BEIDE wohl viele viele Fragen aneinander... und manchmal schauten wir uns an, und ich sah seine Fragezeichen über seinem Sturkopp und er meine.

Es gab Augenblicke, da schmerzte mich der Verlust meines Hundes Günni mehr, obwohl ein "Neuer" da war als zuvor... Augenblicke in denen ich so enttäuscht war von meinem "Neuen"... manchmal hatte ich das Gefühl, da liegt der *falsche* Hund im meinem Bett... ich habe den *falschen* Hund an der Leine... wo ist bloss der liebenswerte, leichtgängige, kluge schwarz-weisse Hund, der dort früher immer war??? :-(

Wie mein neuer kleiner Hund empfunden haben mag, weiss ich nicht...

Inzwischen ist er drei Monate bei mir, und wir kommen zurecht.Meistens gut.Manchmal erstklassig :-)

Ich LIEBE ihn! Den neuen... er hat sehr viel gelernt in kurzer Zeit.Und ich auch! Vor allem habe ich eine Antwort auf meine Frage bekommen: wozu hat die Natur den DACKEL erschaffen? Ich meine, ALLE Tiere sind irgendwo zu "was" gut ;-) ... die Bienen, die Vögel, die Spinnen, die Regenwürmer,... aber DACKEL??? Ich weiss jetzt die Antwort darauf!!! Der liebe Gott hat den Dackel erschaffen, um dem Menschen TOLERANZ zu lehren... ;-)

 

P.S.: ... mein komischer kleiner Dackel-Knirps lebt inzwischen (Mai 2004) seit anderthalb Jahren bei mir... und ein Wunder ist geschehen: aus dem irren kleinen Franzosen  ist der absolute anhängliche brave Superschmusehund geworden, der ganz prima hört und überall ohne Leine mitdackeln kann, sich seines Lebens freut und sich bei jedermann grosser Beliebtheit erfreut*g*!!!


Mit freundlicher Genehmigung von der lieben Caro (3-fache Senioren-Halterin) *g*

email: caroguenni@yahoo.de



Juni 2004

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