Hundegeschichte

Glückliche Daisy, traurige Daisy

Daisy

Als junge Daisy, war sie glücklich.

Sie war auch glücklich, als eine junge Frau sie von ihrer Mutter wegholte, damit sie fortan bei ihr leben sollte.

Denn die junge Frau war eine sehr liebe Person, die viel mit ihr unternahm, ja sie durfte sogar mit zum Reiten. Daisy war sehr dankbar für ihr Schicksal, es ging ihr gut. Jeden Tag war sie an der frischen Luft, sie wurde geliebt und ihr Leben verlief in geordneten Bahnen. Sie war auch glücklich irgendwann trächtig zu sein und wunderschöne süße Welpen zu bekommen, denn sie war ein sehr liebevoller Hund. Obwohl die junge Frau der festen Überzeugung war, Daisy sei vergewaltigt worden und hätte nun ein Trauma bestimmte Rüden betreffend.

Sie hatte nicht die Lust in Daisys Augen gesehen, als sie den Einen bestimmten traf. Auch nicht das Glück über ihre vollkommenden Welpen. Denn Daisy war ein sehr zurückhaltender Hund, niemals drängte sie sich auf, oder in den Vordergrund.

Natürlich war sie traurig, ihre Welpen abgeben zu müssen. Aber sie durfte bleiben und wurde geliebt und das war das allerwichtigste!

Doch eines Tages veränderte sich alles. Die junge Frau erzählte Daisy von einem jungen Mann. Sie erzählte Daisy immer alles, doch diesmal war es anders. Die junge Frau wirkte nun häufig so abwesend, es war, als bemerkte sie Daisy gar nicht mehr. Auch die Reitstunden fielen öfter aus. Dafür war die junge Frau immer häufiger ohne Daisy unterwegs. Daisy bekam Angst, was ging nur vor? Liebte die junge Frau sie nicht mehr? Das war der Zeitpunkt, als Daisy zum ersten Mal in ihrem Leben richtig traurig wurde. Und sie bekam immer mehr Angst. Angst verlassen zu werden, Angst nicht geliebt zu sein. Sie weinte, wann immer sie allein war, erst leise, dann immer lauter.

Die junge Frau schimpfte nun oft mit ihr und Daisy bekam immer mehr Angst. Warum war sie nur böse mit ihr? Sie war doch nur so furchtbar traurig allein bleiben zu müssen. Wenn die beiden zusammen waren, bemühte sich Daisy alles richtig zu machen, ja, wenn es sein musste , machte sie sich auch unsichtbar, Hauptsache sie war dabei.

Dann änderte sich wieder ihr Leben. Der Mann, den die junge Frau liebte, zog zu ihnen. Und es kam noch ein Baby hinzu. Da war Daisy wieder glücklich, sie waren eine Familie. Die junge Frau ging nun wieder selten ohne Daisy weg und sie gingen häufig mit dem Baby spazieren. Gut, Daisy spielte keine Hauptrolle, sie lief so nebenher und versuchte dies so gut wie möglich zu machen. Sie trug beispielsweise Sachen vom Einkauf nach Hause. Daisy war kein Hund, der im Mittelpunkt stehen musste. Nein, das wichtigste in ihrem Leben war ihre Familie, sie wollte einfach nur bei ihnen sein.

Dann, nach einiger Zeit, wurde die junge Frau traurig. Daisy merkte es natürlich sofort und versuchte alles noch besser zu machen, was sie ohnehin schon gut machte. Doch die junge Frau, jetzt Mutter und erneut schwanger, ließ sich nicht trösten. Sie redete nun häufig mit Daisy, so wie am Anfang. In der Familie war es jetzt irgendwie unruhig, Kisten wurden gepackt, es wurde ungemütlich in ihrem Zuhause.

Eines Tages nahm die junge Frau Daisy ganz allein in ihrem Auto mit. Wie früher!

Vielleicht fuhren sie zum Reiten! Aber die junge Frau weinte während der ganzen Fahrt und sie fuhren auch nicht zum Reitstall. Sie fuhren zu einer fremden Frau, die sehr nett war und Daisy traurig anschaute. Und dann geschah das unfassbare, die junge Frau ging und ließ Daisy bei der anderen! Daisy versuchte die andere Frau aufmerksam zu machen, dass sie vergessen worden war. Sie musste doch zu der in ihrem Leben wichtigsten Person zurück, sie beschützen und in ihrer Traurigkeit trösten. Doch die fremde Frau schaute sie nur traurig an und strich ihr über den Kopf und seufzte.

Daisy war so traurig, wie niemals zuvor in ihrem Leben.

Sie war 7 Jahre alt und hatte alles verloren, alles!!!

Am nächsten Tag brachte die Frau sie zu einer anderen schon etwas älteren Frau.

Diese war sehr liebvoll zu Daisy. Sie bekam sehr viel Leckereien, was Daisy von ihrem großen Kummer etwas ablenkte.

Zu diesem Zeitpunkt trat ich in Daisys Leben. Ich lebte mit 2 Hunden und Katzen und ein Hund war unter dramatischen Umständen über Nacht gestorben. Sie hieß Sheila und stammte aus einem spanischem Tierheim. Sheila wurde nur ca. 2 Jahre alt und ich durfte nur 1 1/4 Jahr davon mit ihr teilen. Der plötzliche Tod von Sheila löste bei mir eine tiefe Trauer aus. Ich konnte mich überhaupt nicht damit abfinden.

Hatte ich doch noch nicht einmal Abschied von ihr nehmen können.

Zurück blieben 2 Katzen und meine langjährige Begleiterin Kaya, damals eine 12 Jahre alte Collie-Schäferhundmischlingshündin. Ich bildete mir ein, dass Kaya wieder Gesellschaft brauchte und rief einen Tierschutzverein an, mit der Bitte um einen älteren Hund. Die Frau vom Tierschutz erzählte mir von Daisy und ich fuhr zu der Pflegestelle, um sie mir anzusehen. Was ich zu sehen bekam war eine etwas zu klein geratene Schäferhundmischlingshündin mit wunderschönen lieben Augen und gnadenlos überfüttert. Daisy lebte seit einigen Monaten bei einer älteren Frau, die sie mit zum Einkaufen nahm und ansonsten mit Leckereien verwöhnte. Diese Frau hatte eigentlich soeben beschlossen, Daisy zu behalten, da sich niemand für sie interessierte. Doch nun kam ich und ich sagte zu. Diese Entscheidung war nicht so sehr für Daisy, ich glaube heute, ich versuchte damit das Loch zu stopfen, dass Sheilas Tod in mein Herz gerissen hatte. Aber das war mir damals nicht bewusst, ich fühlte mich ein bisschen wie in Trance.

Am nächsten Tag brachte der Tierschutz Daisy zu mir. Sie war etwas verängstigt wegen Kaya, was sich schnell legte, da Kaya einfach nur lieb war, schon immer zu allen Lebewesen, die sie traf, so also auch zu Daisy. Allerdings waren die beiden Katzen, vor allem mein Kater Malu ihr sehr unheimlich. Der Tag endete so, dass Daisy vor Angst über meinem Kopf im Bett lag und heulte. Ich heulte ebenfalls, weil sie mir so leid tat und wegen Sheila.

Daisy gliederte sich sehr schnell in unser Leben ein, wie es von ihr nicht anders zu erwarten war. Sie war einfach nur lieb, versuchte immer alles gut zu machen. Manchmal wünschte ich mir, sie würde irgendetwas anstellen. Ich lief mit einem Dauer-schlechten-Gewissen herum, da ich spürte, dass ich ihr nicht die Liebe entgegenbrachte, die sie verdiente. Ich liebte sie, ja! Aber nicht so wie Kaya oder Sheila. Hatte sie das verdient?

 

2 Jahre später trat ein Mann in mein Leben, der sich in Daisy unsterblich verliebte. Und sie sich in ihn. Innerhalb der nächsten 2 Jahre blieb Daisy bei ihm, wenn ich beruflich unterwegs war. Wenn man die beiden so sah, wie sie nebeneinander her gingen, sie waren ein Team. Irgendwann war es dann so, dass Daisy ganz bei ihm blieb. Nun war sie wieder glücklich! Bei mir hatte sie sich wohl gefühlt, aber bei ihm war sie glücklich. Das war sehr eindeutig.

 

Als wir uns trennten und nicht mehr zusammen die Urlaube verlebten, kam Daisy immer zu mir als Pflegemutter, wann immer es von Nöten war. Und ich freute mich jedes Mal so sehr darüber. Inzwischen waren Kaya und Malu über die Regenbrücke gegangen und ich lebte nur noch mit meiner Katze Leona.

Als Daisy ca. 12 Jahre alt war, erkrankte sie an Diabetes. Nun musste man streng die Futterrationen einhalten und täglich zweimal Insulin spritzen. Trotzdem waren die Folgen dieser Krankheit und ihres Alters unabwendbar. Daisy verlor immer mehr ihre Sehkraft und ihr Herz wurde auch schwächer. Jedoch ihre Liebe zu diesem Mann war ungebrochen stark, so dass ich jedes Mal wenn ich sie zurückbrachte, Angst hatte, sie würde vor Glück sterben.

In ihrem letzten Jahr fiel mir der Abschied von Mal zu Mal schwerer. Ich hatte immer die Befürchtung sie nicht wieder zu sehen. Sie war so gebrechlich geworden und nun völlig erblindet. Bei ihrem letzten Besuch war sie auch desorientiert. Beispielsweise lief sie in die Küche und machte unter sich, sie wusste nicht wo sie war.

Einen Monat später ist sie eingeschlafen, für immer, in ihrem Körbchen, bei ihm, ihrer großen Liebe.

 

Daisy war ein wundervoller Hund, sie war so voller Liebe.

Sicher, es gibt viel schlimmere Schicksale als Daisys. Doch wer sie gekannt hat, weiß, wie schwer die erste Trennung für sie gewesen sein muss. Und sie sich dann an mein ziemlich chaotisches Leben anpassen musste. Daisy war einer von den Hunden, die sich in ihr Schicksal fügen, egal was es für sie bereit hält und sich niemals dagegen auflehnen. Daisy hätte nur das Beste vom Besten verdient, sie bekam häufig nur das Mittelmaß.

Gegen Ende ihres Lebens habe ich sie so geliebt, wie ich sie hätte seit dem ersten Augenblick lieben müssen. Das war mir nicht möglich, Gefühle kann man nicht beeinflussen! Doch es tut mir heute noch für Daisy weh, so oft ich an sie denke.

Verzeih mir Daisy!

Birgit, 2005

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