Erfahrungsberichte von Hundefreunden

Cara

Ich bin Cara und ich komme auch aus der Türkei, aus Istanbul.

Gute Leute haben mich da weggeholt, bevor ich vergast werden konnte. Zusammen mit meiner Schwester sass ich dann in einem Tierheim, hatte eine kleine Holz-Hütte und durfte mich auf dem Gras liegend ein bißchen ausruhen. Wir bekamen zu fressen und es stand immer frisches Wasser da. Und niemand wollte uns schlagen und keiner scheuchte uns weg.

Es kamen immer wieder Leute an den Zaun, die wir uns dann angucken konnten, ohne dass sie uns was tun konnten. Manche Leute waren sogar ganz freundlich, von denen liessen wir uns dann auch manchmal streicheln.

Dann kamen eines Tages Menschen und nahmen meine Schwester weg. Jetzt war ich ganz allein, hatte furchtbare Angst und wurde sehr krank. Ich wurde in ein kleines Haus gebracht in ein kleines Zimmer mit Kacheln und einem Gitter. Dort lag ich dann, starr vor Angst - jetzt werden sie mir doch wehtun, dachte ich.

Plötzlich ging das Gitter auf und eine Frau kam herein. Ich hatte sie schon mal gesehen - in meinem Grasland vor der kleinen Hütte. Sie war mit einem Mädchen dagewesen und ich hatte mich von beiden streicheln lassen.

Aber heute hatte ich Fieber, Angst - und ich wusste nicht, was mit meiner Schwester passiert war. Wiederstandslos liess ich mich an die Leine legen, aber laufen wollte ich nicht.

Die Frau nahm mich auf den Arm und trug mich zu einem Auto. Sie setzte mich auf einen Sitz, streichelte mich und erzählte mir, dass sie jetzt meine Mami sei und dass ich keine Angst mehr haben müsste. Ich kroch auf ihren Schoss und rührte mich nicht mehr weg. Meine Mami versuchte mich wieder auf den anderen Sitz zu setzen, aber ich krallte mich mit aller Kraft an ihr fest. Schließlich gab sie auf und wir fuhren los.

Mir wurde vor schlecht vor Angst und vor Aufregung. Ich erbrach mein ganzes Essen auf den Schoss meiner Mami, auf den Sitz und in die Seitenablage der Fahrertür. Irgendwann hielt meine Mami dann an und trug mich in ein paar Treppen hoch in eine Wohnung mit schönem weichem Teppich, auf den sie mich setzte. Das sei jetzt mein Zuhause, sagte sie. Ich blieb ganze zwei Tage auf dieser Stelle liegen und rührte mich nicht...

Was ein Zuhause ist - musste ich ja erst lernen. Ebenso mühselig, wie dass nicht alle Menschen böse sind. Und so ganz glaube ich das bis heute nicht. Man kann ja nie wissen ...

Autofahren liebe ich mittlerweile. Ich breite mich auf dem Rücksitz aus und mache es mir gemütlich. Das ist fast so schön wie mein Hundebetti in Mami's Büro.

Meine Mami hat mir nicht nur ein Zuhause in München geschenkt - ich habe auch ein "C" geschenkt bekommen. Weil eigentlich heiss ich Karà - das ist türkisch und heisst schwarz. Aber Mami hat gesagt, die schwarzen Zeiten wären jetzt vorbei und ich heisse jetzt italienisch Cara , das heisst "lieb".

Bin ich auch, zumindest bemühe ich mich immer. Wenn ich nicht lieb bin, ruft Mami mich manchmal wieder "Karà" - weil das strenger klingt. Oder Cara Baghira. Weil das mein ganzer Name ist: Cara Baghira, Prinzessin von Istanbul.

Ich bin mittlerweile ein großer Hund geworden, ein guter Hund, sagt meine Mami. Das Tierheim und die Kacheln und Istanbul - das ist mittlerweile schon fast 7 Jahre her. Ich muss mir mein Essen schon lange nicht mehr in Mülltonnen zusammensuchen - so wie deine arme Colliefreundin. Ich kann es mir bei Mami einfach bestellen. Alle Türen sind immer offen und ich kann herumlaufen, wie ich will.

Meistens will ich das aber gar nicht. Ich liege viel lieber unter Mami's Schreibtisch und höre ihrem Tippen zu. Oder wir gehen spazieren mit einem meiner Hundefreunde oder nachts mit Mami alleine - da darf ich dann wie früher durch die Straßen streunern und nach Herzenslust herumschnüffeln und ich muss keine Angst mehr haben.

Meine Mami würde Euch gerne verlinken - ich weiss zwar nicht so genau, was das ist, aber deine Mami weisst es bestimmt. Wir haben nämlich auch eine Homepage www.hund-is-hund.de und wenn du dort zufällig an mein Foto kommst, kannst du drauf treten und mir in einem meiner geliebten Verstecke ein bißchen Gesellschaft leisten. Dann erzähl ich dir vielleicht noch mehr aus meinem Leben ....

 

Wuffi und liebe Grüße

Cara Baghira von Istanbul und ihre Mami Gabi

 

PS: Mami sagt, du hast genau solche Augen wie ich - deshalb ist sie auch über Eure Homepage gestolpert. Wobei ich dir nicht sagen kann, warum sie dann so viel geweint hat... So schlimm finde ich das jetzt nicht, dass wir uns ein bißchen ähnlich sehen. Schließlich sind wir ja beide echte reinrassige türkische Streunerhunde - da darf das schon so sein, oder nicht?