Erfahrungsberichte von Hundefreunden

Alida - der Hund von der Straße

Unserer Erfahrung, die evtl. den einen oder anderen Spanienurlauber motivieren könnte, das Tierelend in Spanien, zumindest etwas, zu lindern.

Wir, dass sind meine Frau, unser Sohn Florian (6 Jahre) und ich, verbrachten unseren Urlaub in Cullera (ca. 40 km hinter Valencia). Nach ca. einer Woche fiel uns ein Hund auf, der durch die Stadt stromerte und jeden, der ihm begegnete, freundlich anwedelte. Für uns hatte es anfänglich den Anschein, dass der Hund sein Herrchen/Frauchen suchte; also behielten wir ihn, soweit möglich, im Auge. 

Am 09. Juni stand ich auf dem Balkon unserer Wohnung und schaute auf die Promenade. Der Hund lag mitten auf der Promenade und sonnte sich; ein vorbeigehender Einheimischer meinte seine Charakter dadurch beweisen zu müssen, indem er nach dem auf dem Boden liegenden Hund ohne Grund trat. Der Hund reagierten auf den Tritt fast gar nicht, er legte sich nur etwas weiter an die Mauer. Für mich war das Maß des Erträglichen voll. Ich packte unseren Sohn, erklärte meiner Frau, dass wir nachschauen gehen, ob der Friseur offen hat, und gingen auf die Straße. Der Hund lag noch immer an der Mauer. Wir gingen hin, der Hund lief wedelnd auf uns zu; kurze Streicheleinheiten. Wir gingen ein Stück weiter, ein kurzes Klatschen auf meinem Schenkel, der Hund folgte uns. Wir gingen in den örtlichen Supermarkt, kauften etwas Hundefutter, der Hund wartete vor der Tür. Kurze Fütterung, der Hund folgte uns auf Schritt und Tritt. Der Hund wurde mit in die Wohnung genommen (Fahrstuhl fahren mochte er nicht, also bis in den 9. Stock gelaufen) und meiner Frau vorgestellt; Liebe von beiden Seiten auf den ersten Blick. Der Hund, der eine Hündin war und auf den Namen Alida getauft wurde, war von eben auf jetzt bei uns aufgenommen. Alida hatte nur zwei Probleme: 1.) Sie schlief in unserem Bett, und zwar von der ersten Nacht an (meine Frau hatte am nächsten Morgen zwei schöne braune Augen, bis ich feststellte, dass ich dem Hund ins Gesicht schaute), 2.) Alida blieb nicht allein in der Wohnung. Dies hatte zur Folge, dass die Strandbesuche im "Schichtbetrieb" erfolgten; morgens ich, mittags meine Frau (der Esel nennt sich immer zuerst). Uns war klar, dass wir Alida mit nach Hause nehmen würden. Da wir aber zwei Kater haben, und Alida alles mag, außer Katzen, wurde mit dem Tierschutzverein Angelbachtal telefonisch Kontakt aufgenommen und gebeten, ein neues Zuhause finden. Am Samstag erhielten wir die Nachricht, eine Pflegestelle sei gefunden. 

Am 14.06 traten wir die Rückreise an; Alida mochte nicht nur keine Katzen, auch Autofahren war ihr verhasst. Das Frühstück fiel nach ca. 20 min Fahrt auf die Rückbank, nach der ersten Rast musste der Hund unter Aufbietung aller Kräfte in unser Auto zurückgetragen und auf der Rücksitz verfrachtet werden. 

Nach zwei Tagen fahrt (mit Übernachtung) erreichten wir Angelbachtal; die Dame, die sich bereit erklärte hatte, Alida aufzunehmen hatte zur Bedingung gemacht, dass der Hund entwurmt sein müsste. 2 1/2 Stunden Aufenthalt beim örtlichen Tierarzt, Entwurmung und Spritze gegen Tollwut etc. 2 min vor der Abfahrt teilte die Dame telefonisch mit, dass sie ab Donnerstag ins Krankenhaus müsse und vergessen habe, dies mitzuteilen. Alida könne deshalb bei ihr nicht unterkommen.

Herr & Frau Schweizer, Vorsitzende des Tierschutzvereins, konnten nach vielen Telefonaten eine "Zwischenstation" ausfindig machen. Das Problem war nur, dass die Leute ab Montag wieder arbeiten mussten, Alida also nur bis Sonntag hätte dort bleiben können. 

Wir hatten große Sorge, wie Alida bzw. die Kater aufeinander reagieren würden; schweren Herzens ließen wir Alida bei der Familie, die sich rührend um den Hund bemühte. Am nächsten Tag, wir hatten noch einen Tag Urlaub, versuchten wir krampfhaft, einen neuen Platz für unseren Hund zu besorgen. Unsere Bemühungen waren erfolglos. 

Meine Frau und ich entschlossen uns daher der Versuch zu wagen, Hund und Kater aneinander zu gewöhnen und holten Alida mittags nach Hause. Mit meinem Arbeitgeber konnte vereinbart werden, dass der Hund die nächsten Wochen mit Büro genommen werden kann. Wir hoffen nun, dass sich Hund und Katzen aneinander gewöhnen und miteinander auskommen. 

Alida liegt gerade wieder in unserm Bett und schläft tief und fest. Die Kater reagieren auf den neuen Bewohner mit einer Mischung aus Ängstlichkeit und Ignoranz. Wir sind voll der Hoffnung, dass sich Hund und Katzen im Lauf der nächsten Tage zumindest akzeptieren und miteinander auskommen. 

Alida dankt es uns mit einem gnadenlosem Schmusebedürfnis und ebenfalls gnadenloser Anhänglichkeit. 

Allein dies lässt uns alle Mühen und Sorgen vergessen.

Also, wer immer dies Zeilen liest, sollten er/sie einen Hund oder Kater finden, der herrenlos durch die Gegend irrt, geben Sie ihm ein neues Zuhause; dass Tier wird es Ihnen ewig danken.

Gerald, Petra & Florian Emmert