Erfahrungsberichte von Hundefreunden

Ein Abendspaziergang zwischen Dunkelheit und Licht

 

Ich war gerade eben noch mal mit Alberto draußen im Feld - im Dunkeln. Ich betone das so, weil ich das erste mal dort in der Dunkelheit mit ihm war. Und Alberto war ganz, ganz eigenartig. Ich habe gespürt, dass er Angst hat. Ja, wirklich richtige Angst. Er hat dauernd zu mir hoch geschaut (was er normalerweise nicht tut) und zwar ganz fragend und ängstlich, als würde er befürchten, ich könnte ihn dort draußen alleine zurücklassen. Also irgendwie müssen da Erinnerungen in ihm hochgekommen sein. Er tat mir richtig leid. Und entgegen seiner Gewohnheit wollte er schnurstracks zum Auto zurück. Er ist sofort hineingesprungen, immer noch mich anschauend. Und dann war er richtig froh, wieder zu Hause zu sein. SO habe ich ihn wirklich noch nie erlebt, meinen sonst so mutigen Alberto. Ich konnte es kaum fassen. Und sein Blick....! Ich habe ihn dann ganz fest gedrückt und er hat ganz still gehalten. Wer weiß, was wohl in seinem Köpfchen vorging.....???

Und da war ich wieder einmal so froh, ihn gefunden zu haben, nach seinen vielen Jahren des Elends und der Einsamkeit, ganz zu schweigen von den Dingen, die ihm vielleicht/wahrscheinlich noch widerfahren sind in den  über 4 Jahren auf den Straßen Rumäniens. Seit ich die Streunerhunde-HP kenne, frage ich mich schon häufig, WIE OFT er wohl um sein Leben laufen musste und wieviele Schläge er vielleicht einstecken musste - wenn nicht gar Schlimmeres! Und dann noch über 1 Jahr im Landauer Tierheim, wo ihn keiner wollte. NIE hat ihn auch nur einmal jemand mit nach Hause genommen, wenigstens um es mal mit ihm zu probieren. Keiner gab ihm eine Chance. 6 lange Jahre für ihn.

 

Und ich bin eigentlich gar nicht damals nach Landau, um mir definitiv einen Hund zu holen. Ich wollte "nur mal so" schauen. Und da lag er da, auf einer kleinen Pritsche, den Kopf zwischen seinen Vorderpfötchen (so wie auf dem Bild) und hat einfach nur geschaut, aus traurigen, hoffnungslosen Augen.

Dirk war ja damals auch dabei. Gefallen hat ihm Alberto zunächst auch, aber als er dann das Zwingerschild las..... Ich sagte dann, mit DEM möchte ich jetzt mal Gassi gehen und Dirk hat mich für verrückt erklärt. Aber ich hab's durchgesetzt und nach dem Spaziergang war es dann komplett um mich geschehen. Ich bin dann montags drauf gleich wieder -alleine - zu ihm gefahren und das über 8 Wochen lang. Wir hatten ja einen Urlaub geplant und da hätten wir ihn nicht mitnehmen können. Ich habe dann unseren Urlaub noch von 2 Wochen auf 1 Woche verkürzt (zur "Freude" des Rests der Familie.....). Wir kamen samstags aus dem Urlaub zurück und Sonntagsmorgens um 6.00 Uhr (!) haben wir ihn dann geholt. Eine Frau aus dem Tierheim (die sich immer besonders um Alberto gekümmert hatte) hat uns geholfen, ihn ins Auto zu bugsieren. Das war gar nicht so einfach, denn Alberto ist ja anfangs kein Auto gefahren.

Tja, so war das. All das ist mir jetzt gerade vorhin, als er so hilflos erschien, wieder durch den Kopf gegangen.

 

von Ute für Alberto

Römerberg, 28. Mai 2004

 

Alberto:

Alberto wurde auf streunend auf den Strassen von Rumänien aufgegriffen und kam in eines dieser privaten Sammeltierheime, wo ihm zwar sein Leben erhalten blieb, er aber weitentfernt von einem hundewürdigem Hundeleben sein Dasein fristen musste.

Mit einem organsisierten Hundetransport wurde er schließlich mit einigen Leidensgenossen nach Deutschland geholt, wo er an das Tierheim Landau übergeben wurde. Dort lebte er mehr als ein Jahr, ohne das er adoptiert wurde und ihm Beachtung geschenkt wurde. Anseinem Zwinger stand:  "Verträgt sich nicht mit anderen Hunden, mag keine Kinder, keine Motorräder, Autos ..."

Im Sommer 2003 wurde er von Ute "entdeckt". Beide hatten sich nicht gesucht, aber gefunden. So nahm sein Schicksal endlich eine Wendung zum Guten. Heute ist Alberto ein glücklicher Hund, der über alles geliebt wird.

Alberto - zwischen Dunkelheit und dem Licht!