Hundegeschichten aus Katalonien
 Wunschtraum eines Hundebabies 

Die schwarze Hündin stimmte ihre Besitzer wütend, denn es hatte sich bewahrheitet, was sie von ihr angenommen hatten: sie war nicht ohne Grund so dick geworden, nein, nun hatte sie fünf schwarze Hundebabies zur Welt gebracht. Die Wut der Menschen auf ihren Hund äußerte sich dadurch, dass sie in einer eisigen Nacht im Januar in den Kofferraum gesetzt wurde und an einer dunklen Straßenkreuzung außerhalb von Manresa mitsamt ihren Welpen ausgesetzt wurde. Das war ihre gerechte Strafe, fanden ihre Menschen, warum musste sie sich auch herumtreiben ...

Zitternd und frierend drückte sich so der kleine Eric an seine Geschwister und wusste nur mit seinen wenigen Tagen, dass etwas schreckliches geschehen war. Er fühlte den Hunger und das Elend der verstoßenden Mutter, die ihre Welpen nur schwer gegen die beißende Kälte schützen konnte. Sie drückte sich mit ihnen in eine Mauernische, hungerte und zitterte vor Kälte und Kummer.

Am nächsten Tag wurden Menschen auf die Hundefamilie aufmerksam und am übernächsten Tag hielt der städtische Hundefängerwagen an der Mauernische. Das Schicksal der Mutter und ihrer Kinder ging den Weg, den viele ausgesetzte Hunde gingen. Mit einer Drahtschlinge wurde die Hündin, die Fieber hatte und vor Krankheit apathisch war, zu dem Wagen gezerrt und mitsamt ihrer Babys, die von Hand eingesammelt wurden, in eine kleine dunkle Box gesperrt.

Eric fühlte nur Angst und Verzweiflung, mit seinen Geschwistern und seiner Mutter wimmerte und fiepte er. Nur wenig später wurde die Hundefamilie in die städtische Auffangstation der Stadt Manresa gebracht, doch ihr Schicksal nahm hier eine Wendung zum Besseren. Das Tierheim Manresa entschloss sich, die Hunde aufzunehmen und nicht den bitteren Weg nach Barcelona antreten zu lassen.

Für Eric aber begann eine neue kalte böse Zeit, denn die Hündin war sehr krank und er und seine Geschwister fanden sich schon bald alleine in einem Zwinger wieder, denn die Mutter wurde sofort in die Tierklinik gefahren. Nun war er allein, jammerte mit seinen Geschwistern verzweifelt, zitterte und wusste nicht wie ihm geschah. Sein kurzes Leben zeichnete sich nun durch Einsamkeit und des Nachts durch Kälte aus. Er wartete auf etwas Warmes was lieb zu ihm war, woran er sich drücken und womit er kuscheln konnte. Er wusste nicht, was es war doch er jammerte aus voller Brust und nichts konnte sein trauriges Herz trösten.

Seine beiden Schwestern und seine Brüder schubsten ihn in dem Zwinger hin und her, bis er vom Betonboden wunde aufgeweichte Pfötchen bekam, die ihn endlos schmerzten. Nun wurde aus dem kleinen schwarzen Rüden ein Häufchen Elend, zitternd saß er mit großen traurigen Augen da, wimmerte vor Schmerz und vor Sehnsucht nach der Mama.

Nachts war es beißend kalt und das unbekannte Trockenfutter ersetzte ihm die Muttermilch nicht. Seine wunden Pfötchen wurden ihm zu immer größeren Qual, bis er schließlich von den Menschen des Tierheims auch noch von seinen Geschwistern getrennt wurde, um sich in einer einzelnen Box im Tierheimhaus wiederzufinden, wo er seine wunden Pfötchen auskurieren sollte. Wie schrecklich für den jungen Hund, der nicht wusste, dass ihm geholfen werden sollte. Er schrie ununterbrochen, denn die Einsamkeit quälte ihn.

Dann aber wurde er aus seiner Box genommen. Zärtliche warme Hände einer jungen Frau hielten ihn, während er sich voller Überraschung in ihre weiche Jacke kuschelte. Zuerst konnte er auch dort nicht aufhören zu jammern, doch dann wurde ihm ganz warm und wohlig und sein kleines Welpenherz wusste plötzlich nur zu gut, dass es DAS war, was er sich wünschte. Es war jene zärtliche Hand, es war Liebe und Wärme. Seine kleinen Augen wurden ganz schwer und fielen zu, während sein Herz vor Wonne sich immer tiefer in die liebevollen Hände drückte. Er wollte immer diese Hände und diese Nähe spüren, voller Glück schlief er entspannt ein, während der Kummer und die Einsamkeit von ihm abfielen.

Lächelnd starrte die junge Frau auf den kleinen hübschen Welpen und hoffte vom ganzen Herzen, dass er einen Menschen finden würde, der ihm diese Liebe geben würde.

Ina Erwien