Erfahrungsberichte von Hunden und ihren Menschen
 Tascha

Unser wunderschöner Huskyrüde Esky war gestorben, nach 14 glücklichen Jahren und hat ein riesiges Loch gerissen, was einfach nicht zu füllen war - unmöglich ... Und doch?! Was ist ein Haus ohne Hund, wenn man seine Schritte hinter einem hört, vermeintlich, wenn er einfach nicht mehr da ist, er, der so alles war und es einfach unvorstellbar ist, dass er nicht mehr ...

Wir hörten von einer Huskyhündin, die im Tierheim Köln-Dellbrück sein würde. Eine Familie wollte sie adoptieren, doch im letzten Moment hat sich die Frau des Hauses dagegen gestellt, Hunde bringen Schmutz ins Haus und eigentlich wollte sie ja gar keinen Hund ... Ich erzählte diese Geschichte wütend meinen Eltern (eine Freundin die selber eine Malamutehündin hatte, hatte mir dies aufbrausend erzählt), mein Vater, sehr herzkrank und unter Eskys Tod sehr leidend, sagte: "Ich möchte sie sehen ..." und so fing alles an ...

Zusammen mit meinen Eltern und meinem Hund Herro fuhren wir zu dem besagten Kölner Tierheim und da saß sie hinter Gittern, eine junge, dünne, hübsche Huskyhündin, mit weiß-braunen Fell und den blausten Huskyaugen, die es in so einem Moment geben konnte. Und was tat die kleine Maus als mein Vater sie mit trüben auch blauen Augen anstarrte (eben weil ihm Tränen in die Augen schossen), die kleine Maus gab Pfötchen und das war es dann. Wir gingen mit Tascha spazieren, doch eigentlich war das gar nicht mehr nötig, mit ihrem Pfötchen geben hatte sich schon alles geklärt. Nach einer Stunde hatten meine Eltern einen neuen Hund und Tascha, die bis zu dem Zeitpunkt noch keinen Namen hatte, hieß jetzt eben Tascha und befand sich neben Herro und Mama in meinem Auto auf dem Rücksitz, Papa saß vorne und hatte strahlende Augen.

Sie war so müde und dünn, kein Wunder, hatte sie schließlich über sechs Wochen herrenlos um Köln herumgestromert. Und Tascha wurde von meinen Eltern ebenso gebraucht, wie sie sie brauchten. Zuerst galt es sie aufzupäppeln. Sie mochte so gar nicht fressen, musste lernen nicht in die Wohnung sondern in den Garten zu machen - und das es drei Mal täglich lange Spaziergänge gab, das war etwas neues Wundervolles.

Tascha lebte sich ein, doch dann gab es den schlimmen Rückschlag, mein Vater kam mit neuem Herzinfarkt und sich anschließenden Schlaganfällen ins Krankenhaus und sollte dieses nie mehr verlassen.

Wir litten alle, Tascha auch, denn sie war nun viel allein und hatte sich besonders an meinen Vater angehangen, wohl spürend, dass er sie brauchte.

Er kam nie mehr zurück, später an seinem Grab, er ist Esky sehr bald gefolgt, es war nach der eigentlichen Beerdigung standen wir mit Tascha und Herro und unser Pfarrer Klimm redete nur für uns und unseren Vater.

Tascha war dabei und Tascha war jetzt Mamas Hund. Sie wurde in ihrer Stubenreinheit rückfällig, sie war traurig, sie wusste was geschehen war.

Mama und Tascha haben sich zusammengerauft, zuerst langsam doch dann stetig und dann war es plötzlich so, dass die eine ohne die andere gar nicht mehr sein konnte. Sie wurde kastriert und nahm an Gewicht zu, herrlich waren ihre Urlaube in Düsseldorf, wenn Mama auch mal Urlaub machte. Dann genoss sie ihre Freiheit in den Rheinauen mit vielen Hunden und langen Spaziergängen. Im täglichen Leben dagegen gab es lange Fahrradtouren und weite Wanderungen durch den Cappenberger Wald, denn eine Huskyhündin will ja fit gehalten werden - und einer Mama um die 60zig passiert dabei eben das gleiche. Von den gleichaltrigen Damen bestaunt (wie fit man doch so sein kann) und von den anderen Hundebesitzerinnen geliebt, unternehmen die beiden lange Touren durch Wald und Feld - aber gehen auch zusammen essen oder ins Café, denn Tascha macht alles mit, weiß sie sich doch zu benehmen und ist stets einen angenehme Gesellschaft. Anzumerken ist hierbei noch, dass Tascha sogar für Mama und auf ihrem Schoss Sessellift gefahren ist, als wir zusammen in den bayerischen Alpen Urlaub machten. Alles kein Problem.

Und heute ist es so, das Tascha ohne Mama mit niemand mehr mitgehen möchte, besser im Garten warten als ohne Mama ...

Sie ist sehr umgänglich mit andern Hunden, ist nicht aufdringlich sondernd beguckt sich alles zuerst aus der Ferne. Dabei legt sie ihre Vorderpfötchen übereinander und Mama sagt immer, dass sie dann betet

Und wie schön sie ist. Aus der kleinen heruntergekommenen Maus ist eine wunderschöne nun alte Hundedame geworden, die weiß, zu wem sie gehört und was ihr Leben ausmacht. Das Glück ist in ihr Leben eingekehrt, still und dann stetig, wie für Mama.

 

Ina Erwien, 2003