Geschichten mit und über Pedro ...

Das Geschenk

Kira stammte genau wie Pedro aus dem Tierheim Manresa. Sie wurde im Sommer 1999 ausgesetzt,  von tierlieben Menschen in Manresa aufgegriffen und ins Tierheim gebracht. Ihr Unterkiefer war gebrochen aber noch viel mehr etwas in ihr selber - sie litt unter schrecklichen Ängsten. Alles aber auch alles machte ihr Angst. 

Pedro war dabei, als sie von den hilfsbereiten Menschen ins Tierheim gezerrt wurde und in diesem Moment rührte mich der Anblick der schönen zarten Hündin sosehr, dass ich  mir schwor, ihr zu helfen. Wir machten gerade Urlaub in Manresa und gut einen Monat später, ließ ich die schöne weiße Hündin zu mir nach Düsseldorf kommen. Ich würde für sie ein Zuhause finden wo sie ihre Ängste überwinden und geliebt werden würde, da war ich mir ganz sicher. Eine Freundin Ina half mir, Kira zu beaufsichtigen, wenn ich keine Zeit hatte. Kira fürchtete sich vor allem, aber sie orientierte sich besonders an Pedro, der sie in seiner liebevollen Art immer aufheiterte und ihr half, das Leben nicht als schrecklichem Alptraum anzusehen. 

 

Meine Freundin Michaela hatte mich zum Abendessen eingeladen und kurzerhand folgte ich dieser Einladung mit drei Hunden: Herro, Pedro und Kira. Meine Freundin und ihr Freund hatten Verständnis und fanden auch den Gedanken nicht so schlimm, dass die weiße Hündin durchaus noch nicht stubenrein war. Ich fand, dass Kira von Anfang an sich ihren Ängsten stellen sollte und habe sie einfach in alles integriert. Kira verkroch sich in der fremden Wohnung zitternd in den Flur, völlig überfordert, was das Mitleid meiner Freunde anregte. Der Abend fand für das tierliebe Paar ebenfalls im Flur statt, denn sie hockten sich zu Kira und streichelten sie. Und im Flur war es wohl auch, wo sie sich in Kira verliebt haben. Nun begannen sie zu überlegen, zu denken, zu planen - und drei Tage später war Kira ihr Hund.

 

Mit viel Liebe und Freundlichkeit nahmen sie Kira auf und versuchten sie Stück für Stück ihre große Angst verlieren zu lassen. Und mit der Zeit machte die Hündin Fortschritte, warf sich nicht mehr zitternd zu Boden, wenn ein Auto oder ein Fahrrad an ihr vorbei fuhr, was ja in einer Großstadt durchaus öfter passiert. Kira lernte Vertrauen zu fassen und blühte auf.

 

Dann kam der großer Rückschlag. Kira und meine Freundin waren bei mir zum Abendessen geladen, doch obwohl die Zeit längst überschritten war, kamen sie nicht. Ich begann mir schon Sorgen zu machen, als Michaela endlich in der Tür stand. Zitternd hielt sie Kira im Arm und ich weiß nicht wer von den beiden mehr zitterte. Kira war völlig verstört und drückte sich unter den Tisch, weit entfernt von allem. Ein Fahrradfahrer hatte Kira, die Michaela an einer Flexileine gehalten hatte, einfach über den Haufen gefahren. Zu allem Unglück war ihr dann noch der Plastikkasten gegen den Kopf geknallt und die Hündin war in Panik geflüchtet. Es hatte lange gedauert, ehe Michaela Kira hatte einfangen können.  Alle Bemühungen der vergangenen Wochen schienen durch den unglücklichen Augenblick zerstört und meine Freundin war den Tränen nahe.

 

Hechelnd und voller Panik hockte Kira unter dem Tisch, die Augen weit aufgerissen, so als würde sie Todesängste ausstehen, was wahrscheinlich ja wohl auch so war. Ratlos sahen wir sie an und sie reagierte auf nichts.

 

Pedro hatte in Kira eine geliebte Freundin gefunden und fand sich ebenfalls ratlos, weil sie nicht auf ihn reagierte und schon gar nicht mit ihm spielen wollte. Er wedelte sie an, streckte die Pfote nach ihr aus, stupste sie an, doch nichts half. Selbst Herro bemühte sich wedelnd, Kira zu irgendeiner Reaktion zu bringen, vergebens. Wir waren nun sichtlich verzweifelt, starrten auf Kira und sahen deshalb ganz genau was dann geschah. Plötzlich stand Pedro mit seiner Stoffente vor Kira, kaute sanft und zärtlich darauf herum und drückte sie gegen Kiras Schnauze. Kira blieb fast nichts anderes übrig, als auch darauf herumzukauen. Zuerst zarkhaft und dann bestimmt kauten nun beiden Hunde an der Ente und das Eis war gebrochen. Plötzlich reagierte Kira wieder und innerhalb einer Stunde, und wir haben uns dann irgendwann doch dem Abendessen gewidmet, begannen Kira und Pedro wie gewohnt durch die Wohnung zu tollen und miteinander zu Spielen. Pedro hat mit seiner Stoffente Kira geholfen wieder zu sich zu finden und als Dank hat Pedro dann später von Michaela eine riesige neue Stoffente bekommen, die er mit Genuss dann auch erlegt, zerfressen und zerkaut hat. Stoffenten leben halt nicht solange, doch sie können sehr nützlich sein!

Ina Erwien, 2003