Negra aus dem Tierheim Manresa

Negra - die Schwarze

Irgendwie habe ich das Bedürfnis, Euch meine Geschichte zu erzählen, nicht weil sie besonders traurig oder besonders lustig ist, einfach so, weil ich glaube, sie könnte Euch interessieren. Als kleiner, kugelrunder Welpe kam ich in eine Familie, die mich anfangs verwöhnte, mit mir spielte, bis ich mich zu einer relativ großen Hündin entwickelte, an der einfach nichts Rassemäßiges dran war. Keiner kümmerte sich mehr um mich, bis ich meinen vierbeinigen Freund Joe fand. Allerdings interessierte ich ihn auch nur so lange, bis sich trächtig wurde! Männer!

Er verschwand von der Bildfläche und meine Familie auch. Ich bekam meine Welpen, Nor und Neg, in einem Dorf in der Nähe von Manresa. Ab und zu bekam ich auch etwas, um meinen Bauch zu füllen, so dass meine Babies keine Not litten. Eines Tages, die Kleinen waren gerade drei Wochen alt, brachte man mich in das Tierheim Manresa. Ich nehme mal an, dass es an meinen Babies lag, aber sofort stand ich im Mittelpunkt.

Man kümmerte sich um meine Kleinen, und wir drei bekamen ein Zimmer im Haus - was ich entsetzlich fand. .Schließlich hatte ich ja lange Zeit auf mich gestellt gelebt und kein Zaun hatte meine Freiheit eingegrenzt. So wurde meinem Stromerleben ein Riegel vorgeschoben - dachten sie, aber sofort habe ich sie eines besseren belehrt. Ich machte jede Tür und jedes Fenster auf und kletterte später, als meine Babies schon ein neues Zuhause hatten, aus fast jedem Zwinger, bis ein Mann in einem blauen Overall kam, den ich übrigens kurz in die Hacken zwickte, und Schlösser an meine Fenster und Türen anbrachte.

Als man im Tierheim merkte, dass ich notgedrungen aufhörte, meine Kletterkünste vorzuzeigen, brachte man mich in die Tierklinik zur Kastration. Gleichzeitig legte man mir einen verstopften Tränenkanal frei, so dass ich jetzt ohne Triefauge herumlaufen kann, denn man lässt mich natürlich laufen, da ich ja auch nie versucht hatte, mich vom Tierheimgelände zu entfernen. Warum sollte ich denn weglaufen? Meine bernsteinfarbenen Augen blicken zufrieden in die Welt, den ich fühle mich wohl, begrüße alle bekannten Zweibeiner mit Küsschen, gebe Pfote, bewache das Grundstück und spiele Kindermädchen für alle Katzen und Hunde, die meine Dienste in Anspruch nehmen.

Warum schreib ich Euch das alles, wenn doch meine Welt in Ordnung ist? Meine Menschen im Tierheim meinen, ich bräuchte einen festen Platz, ein Haus und einen Garten zum Bewachen, einen vierbeinigen Spielkameraden und vor allem Menschen, die für mich da seien, denen ich all meine Liebe zu jeder Zeit beweisen könne. Was meint Ihr dazu?

 

Heidi Straub, 27.01.2002

Besuchen Sie auch die Homepage des Tierheim Manresa in Katalonien (Provinz Barcelona):
Tierheim Manresa

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