Ich hatte schon immer Hunde. Als letztes Jahr meine beiden Mäuse eingeschläfert werden mussten, dachte ich erst, es geht ohne Hunde. Aber bald schon musste ich feststellen, das mir ganz gewaltig was fehlt. Das Haus war immer so sauber, es lagen keine Spielsachen oder Knochen im Weg, aber das Schlimmste: es war so ruhig. Ich habe mir wirklich sehr viele Gedanken gemacht, ob ich wieder einen Hund halten kann. Mein Mann und ich sind voll berufstätig, wohin mit dem Hund, wenn wir arbeiten??? Die Freizeit wird eingeschränkt, es kostet eventuell viel Geld...

Aber ich konnte einfach nicht ohne Hund: die Körbchen meiner Mäuse standen immer noch an Ort und Stelle und ich habe auch noch oft ihre Schritte auf den Fliesen gehört...

Eines Tages fand ich im Internet eine Tierheimseite aus Spanien vom Tierheim Manresa. Ich habe mir die zu vermittelnden Hunde angeschaut und auch einige gefunden, denen ich ein neues Zuhause geben wollte. Aber leider waren diese alle schon vergeben. Dann fand ich auf einem Mal meinen Hund: groß, schwarz, sehr hübsch. Seine Beschreibung stach mir direkt ins Herz. Ja, den wollte ich und keinen anderen... Aber wie soll ich das anstellen? Wer hütet den Tag über den Hund? Was sagt mein Mann dazu? Viele, viele Zweifel... Aber es war für mich schon zu spät. Ich habe alles daran gesetzt, diesen Hund zu bekommen. Es war dann auch alles geklärt. Ich hatte eine ganz liebe Hundesitter-Familie, die aus dem gleichen Tierheim einen Hund übernommen hat. Aber mein Mann wollte absolut keinen Hund mehr. Wir haben uns wirklich sehr gestritten. Ich war schon soweit, das alles aufzugeben, aber ich konnte nicht. Ich war in dieser Zeit kaum noch zu gebrauchen.

Verdi beim Fototermin im Tierheim Manresa

Eines Abends rief meine Mutter an und erkundigte sich nach dem Stand der Dinge. Ich habe ihr dann heulenderweise alles erzählt. Sie sagte das Schönste zu mir, was ich in diesem Moment hören konnte: "Der Hund kommt hierher und wenn ich ihn nehme!" DANKE MAMA!!! (Wir haben uns wegen meinem Mann was Gutes einfallen lassen: die erste Zeit sollte der Hund bei mir bleiben, da ich die meiste Zeit für ihn hatte. So konnten Mann und Hund sich schon Mal aneinander gewöhnen. Als ich dann wieder arbeiten musste, habe ich VERDI morgens zu meiner Mutter gefahren und abends wieder abgeholt. Mein Mann hat komischerweise kaum noch gezetert.) Das war die Wende. Von da an ging alles ganz schnell. Es kam jemand von dem Tierheim und schaute sich bei uns alles an. Das OK kam kurz danach. Nun musste ich nur noch auf meinen VERDI warten. Ich hatte meinen Krankenhaustermin extra so gelegt, dass ich zu seiner Ankunft genug Zeit für ihn habe. Leider verzögerte sich seine Ankunft aufgrund des Wetters. Ich hatte schon versucht, ihn selber zu holen oder ihn über Petair einfliegen zu lassen, aber scheiterte. Aber kurz vor Weihnachten kam dann der erlösende Anruf: VERDI kommt am 27.12.2002 nach Hamburg. Oh Gott, war ich aufgeregt.

In strömendem Regen machten meine Schwester und ich uns auf den Weg nach Hamburg. Es dauerte da aber noch eine ganze Weile, bis ich meinen Hund endlich in die Arme schließen konnte. Ich werde nie seinen Blick in dieser Kiste vergessen. Er hatte solche Angst und war so dünn. Ich musste so entsetzlich weinen.

Zu Hause angekommen, hat er erstmal was zu fressen bekommen und wurde ordentlich geduscht. Dann war schlafen angesagt. Abends rief dann meine Mutter nochmal an und fragte nach, ob alles gut gegangen ist. Wir haben uns mit ihr und ihrer Hündin verabredet und sind nochmal zusammen spazieren gegangen. Die erste Nacht verlief auch ganz ruhig.

VERDi war bereits nach zwei Tagen stubenrein, hatte aber immer mal wieder mit Durchfall zu kämpfen. Mittlerweile haben wir rausgefunden, dass er sehr sensibel ist und auf ungewohnte Situationen sehr magenempfindlich reagiert.

Die erste Zeit war natürlich sehr anstrengend. VERDI war sehr aufgeregt, es war ja eine neue Welt für ihn. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich alleine überfordert bin mit seiner Erziehung. Ich habe aber einen ganz tollen Hundetrainer gefunden, der total auf VERDI eingeht. Er hat schon lange nicht mehr soviel Angst und ist richtig aufgeblüht. Wir haben uns schon große Ziele gesteckt: wir wollen die Begleithundeprüfung machen und auch die Reitbegleithundeprüfung.

VERDI hat einen so großen Spaß am Leben, dass mir manchmal die Tränen kommen. Er musste schon so viel Mist erleben und trotzdem hat er seine Lebensfreude nicht verloren. Er wirbelt mit so viel Freude durch unser Leben. Fahrradfahren und Reiten ist das Tollste überhaupt. Die Ostsee ist auch sehr interessant, aber doch noch etwas unheimlich. Er ist gegenüber Mensch und Tier einfach nur lieb und möchte, dass alle seine Freunde sind.

Natürlich gibt es auch Situationen und Momente, an denen ich verzweifle. Aber ich wollte diesen Hund mit allen schönen und nicht so schönen Momenten. Ich habe mir die Sache sehr lange überlegt, aber ich bin überzeugt, ich habe genau das Richtige getan. Ich liebe VERDI...

 

Bitte liebe Leute, wenn Ihr Euch einen Hund holen wollt, überlegt ganz genau, ob Ihr Euch das alles antun wollt, denn Ihr seid verpflichtet, diesem Tier dann auch ein schönes und gutes Leben zu ermöglichen. Und überlegt, ob es ein Zuchttier sein muß. Die armen Würmchen aus den Tierheimen haben schon schlimmes erlebt und denen ist es ganz besonders gegönnt, eine schöne Zukunft zu haben... Und bitte verlangt von Euren Hunden kein Kadavergehorsam. Es gibt nichts Schöneres, als einen folgsamen Hund zu haben, der für Dich alles nur aus Liebe tut...

Ich würde diese Entscheidung, einen Hund aus dem Tierheim zu nehmen, immer wieder so treffen, da ein Hund mein Leben ungemein bereichert.

VERDI, ich liebe Dich !!!!

 

Krista Maria Gruel-Topf

 

email: krista-maria.gruel-topf@eurohypo.com